Moment mal: Unten drunter
Foto: LaggedOnUser (CC BY-SA 2.0)

Die Tage erschien im „Onlinemagazin für katholische Lebensart“ The Cathwalk ein Lob der Unterwäsche. Nicht irgendeiner Unterwäsche wohlgemerkt: nicht ihre praktische, komfortable Seite stand im Zentrum des „Und ewig lockt das Weib!“ überschriebenen Artikels, sondern ihre verführerische, elegante Dimension. Nicht Unterbuxe, sondern Dessous. Nicht Schlüppi, sondern Lingerie.

Screenshot „The Cathwalk“

Alle vermeintliche Offen- und Anzüglichkeit des Titels und Textes soll nicht darüber hinwegtäuschen, was die Autorin Ulrike „Weiterdenkerin“ Walker tatsächlich unters Volk bringen will: Unter dem hippen Neologismus Complementismus verbirgt sich nichts anderes als die Ehe- und Sexualmoral vergangengeglaubter Zeiten.

Unten drunter

Was sich unter Niqab, Burka und selbstverständlich auch unter dem Ornat christlicher Nonnen verbirgt, ist traditionell Quell erstaunlicher Männerphantasien. Im Dunkeln ist schon immer gut munkeln und was mit Aufwand versteckt wird, das muss schon was hermachen. Die wichtigste Botschaft zum Thema ist natürlich, wie uns die Autorin mütterlich mitteilt, „dass Frauen, die immer wieder neue Dessous tragen, im Allgemeinen viel treuere Männer haben als Frauen mit züchtiger Unterwäsche.“

Die Baumwollhöschenträger_innen unter uns schrecken auf! Verdankt sich die letzte Trennung doch nicht wie behauptet unterschiedlichen Vorstellungen vom künftigen Zusammensein („Wir haben uns einfach auseinandergelebt …“) oder einem aufgeflogenen Seitensprung? Es ist tatsächlich ganz anders, als es aussieht: Wer der Partner (hier ohne Gender-Gap und ganz ohne Sternchen) davonläuft, die hat sich einfach nicht ausreichend angestrengt und sich in die passende Reizwäsche geworfen. Glückwunsch!

Trägt man einmal die Schichten von Walkers Text ab, die da als „Schleifchen, Steinchen, Anhängerchen“ an ihrem Artikel dranhängen, lässt also Clickbait-Überschrift und Fotos und das Lob der erotisch stilbewussten Französinnen beiseite, bleibt nicht viel mehr übrig, als dass die Frau sich in eine monogame Paarbeziehung mit einem Mann zu fügen hat und selbstredend für deren „Erfolg“ verantwortlich zeichnet, inklusive Erfüllung männlicher Erotikphantasien.

Komplett sein

Mit Complementismus ist laut Walker das Ganzwerden des Menschen in der von Gott gestifteten Paarbeziehung zwischen Mann und Frau gemeint. Ich hab da nichts dagegen und will niemanden verspotten, der sich sein Leben so zurecht gelegt hat. Ich selbst unternehme mit meiner Frau den Versuch, eine Ehe zu führen, kirchlichen Segen inklusive. Auch haben wir inzwischen den von Reaktionären jedweder Couleur allein anerkannten Zweck unserer Ehe verwirklicht, indem wir einen Sohn in diese bunte Welt gesetzt haben.

Dass ich trotzdem noch genügend Phantasie aufbringe, mir vorstellen zu können, dass man (und Frau) in anderen Konstellationen ebenso glücklich (oder unglücklich) werden kann, wie ich in meiner Ehe, mag daran liegen, dass ich selbst nicht in einer – in diesem Sinne – vollständigen Familie aufgwachsen bin oder schlicht daran, dass ich im 21. Jahrhundert lebe und mit Menschen, die höchst unterschiedliche Ansichten vom Leben haben. Die Vorstellung jedenfalls, dass eine Frau oder ein Mann zum Glücklichsein oder zur Seeligkeit allein und ausschließlich eines Partners des je anderen Geschlechts bedarfs, ist auch theologisch großer Murks.

Und ewig lockt das Geheimnis!

Das Ganzwerden des Menschen im Sinne einer imago dei nach Genesis 1 („als Mann und Frau schuf er sie“) bedeutet schließlich auch, mit seiner eigenen weiblichen und männlichen „Hälfte“ klar zu kommen. Das kann sich durchaus in heterosexuellen, homosexuellen, langen und kurzen Partnerschaften ereignen oder auch nicht. Und ganz sicher stehen Alleinlebende nicht als Mängelwesen vor Gott. Was ist gemeiner: offen vorgebrachtes Ressentiment oder ver-hippte Ignoranz?

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2 Kommentare anzeigen

  1. Oliver

    Vielleicht hilft folgende Bibelpassage : 2. Mose 28,31-39

    „Du sollst auch das Obergewand unter dem Schurz ganz aus blauem Purpur machen.
    Und oben in der Mitte soll eine Öffnung sein und eine Borte um die Öffnung herum in Weberarbeit wie bei einem Panzerhemd, dass sie nicht einreiße.
    Und unten an seinem Saum sollst du Granatäpfel machen aus blauem und rotem Purpur und Scharlach ringsherum und zwischen sie goldene Schellen auch ringsherum,
    dass eine goldene Schelle sei, danach ein Granatapfel und wieder eine goldene Schelle und wieder ein Granatapfel ringsherum an dem Saum des Obergewandes.
    Und Aaron soll es anhaben, wenn er dient, dass man seinen Klang höre, wenn er hineingeht ins Heiligtum vor den HERRN und wieder herauskommt; so wird er nicht sterben.
    Du sollst auch ein Stirnblatt machen aus feinem Golde und darauf eingraben, wie man Siegel eingräbt: »Heilig dem HERRN«.
    Und du sollst es heften an eine Schnur von blauem Purpur vorn an den Kopfbund.
    Und es soll sein auf der Stirn Aarons, damit Aaron bei allen ihren Opfern alle Sünde trage, die an den heiligen Gaben der Israeliten haftet. Und es soll allezeit an seiner Stirn sein, dass sie wohlgefällig seien vor dem HERRN.
    Du sollst auch das Untergewand kunstreich wirken aus feiner Leinwand und einen Kopfbund aus feiner Leinwand machen und einen bunt gewirkten Gürtel.“

  2. Ja, danke für die Hinweise. Ich werde mich im gutausgestatteten Fachhandel gleich mit den geeigneten Materialien eindecken.

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