Der verlorene Sohn Der Fall Thomas Wawerka
Rembrandt van Rijn - Der verlorene Sohn (gemeinfrei)

Der Fall des ehemaligen Sächsischen Pfarrers Thomas Wawerka beschäftigt viele Christinnen und Christen. Wawerka sprach vor zwei Wochen auf einer als Mahnwache deklarierten Kundgebung der AfD und anderer rechter Gruppen in Berlin. Sein Auftritt in Talar und Beffchen hat für viel Befremden gesorgt und die Sächsische Landeskirche dazu genötigt, den Auftritt ihres ehemaligen Mitarbeiters zu missbilligen. Damit, so scheint es, hat der Fall Wawerka ein vorläufiges Ende gefunden. Es bleiben jedoch Fragen offen.

Deutschlandweit aufmerksam wurden interessierte Christinnen und Christen auf Wawerka durch einen Artikel der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 8. Dezember 2016. Die Autorin Doreen Reinhard hatte im Vorfeld nicht nur in der Sächsischen Landeskirche (EVLKS) recherchiert, sondern auch mit Wawerka selbst gesprochen.

Im Nachgang dieser Veröffentlichung gab es lebhafte Diskussionen über den Fall Wawerka in den Sozialen Medien. Hier auf theologiestudierende.de schrieb Daniel Fetzer einen viel beachteten Kommentar.

Bereits am 7. Oktober 2016 hatte Wawerka dem Magazin Sezession ein Interview gegeben (Link). Das Magazin wird von Götz Kubitschek herausgebeben, der als intellektueller Kopf der Neuen Rechten gilt. Das Interview wurde von Kubitscheks Frau Ellen Kositza geführt. Wawerka bezeichnet Kubitschek als seinen Freund.

Die Diskussion über Wawerka nahm weiter Fahrt auf, als er von Beobachtern der „Mahnwache“ rechter Gruppen vor dem Kanzleramt anlässlich des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin als derjenige „Pfarrer“ identifiziert wurde, der dort als einziger sprach und zwar in Form einer Andacht. Über seinen Auftritt berichtete u.a. DIE WELT (Link).

Sein Auftritt im Talar erregte den Widerspruch vieler Pfarrerinnen und Pfarrer in den Sozialen Netzwerken und wurde schließlich auch von der EVLKS missbilligt.Im Hintergrund steht hier der Vorwurf der Amtsanmaßung, derer sich Wawerka schuldig gemacht haben könnte. Zu seinem Aufritt im Talar und den rechtlichen Folgen habe ich bereits einen Beitrag auf meinem Blog veröffentlicht.

In der letzten Ausgabe der Christ & Welt kommentierte der Redakteur Andreas Öhler (@Ohlearius) in einem Editorial den Auftritt und Fall Wawerkas (Link). Aufhänger war eine Begegnung des Journalisten mit Wawerka kurz vor seiner Andacht auf der „Mahnwache“. Diese Begegnung wurde auch von Wawerka in einem Veranstaltungsbericht auf Facebook erwähnt: „zum Glück sprach mich ein katholischer Journalist an, den hab ich ohne Umschweife gefragt, ob er mit mir beten würde, was er auch tat.“

Diesem Artikel liegen die oben genannten Texte und der Veranstaltungsbericht Wawerkas, den er auf Facebook veröffentlichte, sowie Videoaufnahmen von der Mahnwache und einer weiteren Aktion vor der CDU-Parteizentrale in Berlin zu Grunde.

Der verlorene Sohn

Die Reaktionen auf den Fall Wawerka fallen erwartungsgemäß vielfältig aus. Da sind auf der einen Seite vor allem die Neurechten und „besorgten“ Kommentatoren, die weder das Ende seines Dienstes für die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS) nachvollziehen können, noch an seinen Auftritten auf Veranstaltungen Götz Kubitscheks Anstoß nehmen. Darunter sicher nicht wenige von der evangelischen Standardverkündigung gerade in Flüchtlingsfragen enttäuschte Christen. Auf der anderen Seite finden sich all die AfD-Kritiker und Flüchtlingsfreunde ein, die Wawerkas Wirken im Namen der Neuen Rechten nichts abgewinnen können. Unter ihnen mischen sich im Blick auf Wawerka Mitleid, Sorge und Ablehnung.

So ist dem Editorial Andreas Öhlers in der Christ & Welt anzumerken, dass auch er nicht weiß, was er jetzt eigentlich mit diesem Wawerka anfangen soll. Entzieht sich hier einer durch geschicktes Schauspiel der Verantwortung für sein Tun und Reden oder steht er tatsächlich erst auf der Schwelle, verdient mithin brüderlichen Rat und Fürsorge? Öhler hat erklärtermaßen kein Gebet für Wawerka, stattdessen zwei sprichwörtliche Ratschläge, die auf die Warnung „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!“ hinauslaufen. Die Begegnung mit Wawerka kurz vor der „Mahnwache“ muss aber auch wirklich bizarr gewesen sein.

Doch mit einem Dritten „ins Gebet zu gehen“, ist nicht so ungewöhnlich, wie mancher Kommentator empfindet. Vor Beginn des Gottesdienstes beten in vielen Sakristeien nach wie vor Pfarrer, Kantoren, Lektoren. Miteinander im Gebet schwierige Entscheidungen zu bedenken, sie „in die Hände Gottes“ zu legen, hat in Sachsen Tradition, im Kleinen wie im Großen. Noch im letzten Jahr legte die Synode der EVLKS die Entscheidung, ob Homosexualität denn nun wirklich ok ist oder nicht, in Gottes Hand, um den empfindlichen Frieden in der Landeskirche bei diesem Thema nicht durch weitere Diskussionen oder – Gott bewahre – eine richtungsweisende Entscheidung zu stören.

Sächsische Verhältnisse

Es ist für den Fall Wawerka und darüber hinaus für die Fragen, die sich aus ihm ergeben, nicht unwesentlich, in welcher Landeskirche er bis Ende August 2016 seinen Dienst verrichtet hat. Die Landeskirche ist eine der wenigen Gliedkirchen der EKD, die ganz im Sinne der „besorgten Bürger“ dem „Zeitgeist“ tapfer die Stirn bietet, zum Verdruss vieler ihrer eigenen Gemeindeglieder.

Die mit dem neuen Pfarrerdienstgesetz verbundene Öffnung der Pfarrhäuser für Pfarrerinnen und Pfarrer, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, wurde jahrelang u.a. von einer „Bekenntnisinitiative“ bekämpft. Bis heute verlassen homosexuelle Pfarrer und Pfarrerinnen die Landeskirche, weil sie die Kompromisse leid sind. In Fragen der Moral kommt man den im Erzgebirge und Vogtland ansässigen Pietisten und Evangelikalen traditionell gern entgegen, zu groß die Angst vor der Kirchenspaltung.

In einigen Regionen und Gemeinden hat sich darüber hinaus seit Jahren schon eine Melange aus evangelikaler Frömmigkeit und rechtskonservativen Überzeugungen gebildet. Das hat in Sachsen insbesondere deshalb lange niemanden gestört, weil die Frommen brav die Sächsische Staatspartei CDU wählten. Spätestens mit Aufkommen der AfD hat sich diese Allianz allerdings verschoben.

Bekannte Protagonisten der evangelikalen Szene in Sachsen sympathisieren offen mit rechtsextremen Gedankengut, das unter dem Deckmantel der Tradition vorgetragen wird. Theo Lehmann marschiert in Chemnitz bei den „besorgten Bürgern“ mit, Lutz Scheufler schreibt „missverständliche“ Glossen an seine Anhänger, gleich mehrere Pfarrer i.R. der Landeskirche stehen auch öffentlich für die von Pegida & Co. vertreteten Inhalte ein, in der Person von Thomas Schneider rücken Politik und Frömmelei formschön zusammen.

Warum ist das alles interessant und erwähnenswert? Weil es dieselbe Kirche ist, die seit Jahren dem lustigen Treiben auf ihrer rechten Flanke nahezu regungslos zuschaut, die jetzt einen bisher unbekannten Pfarrer aus ihren Reihen entfernt hat. Kann es wirklich nur daran liegen, dass Wawerka anders als andere seine Gesinnung in teilweise hässlichen Facebook-Kommentaren kundgetan und es nicht – wie er selbst insinuiert – bei den üblichen Andeutungen und Gesprächen unter vorgehaltener Hand belassen hat?

Die Beendigung eines Dienstverhältnisses aus politischen Gründen ist jedenfalls alles andere als ein normaler Vorgang – für jede Landeskirche, auch für die Sächsische. Ob sich die EVLKS mit ihrem Schweigen zu den Gründen des Auseinandergehens einen Gefallen tut? Man könnte dem Vorwurf, einen anständigen Pfarrer aus politischer Opportunität losgeworden zu sein, der nicht allein von Rechts erhoben wird, jedenfalls souveräner begegnen.

Triftige Gründe

Denn daran, dass hinreichende Gründe für ein solches Vorgehen bestanden haben, mag ich kaum zweifeln. Nicht, nachdem ich mir einige der Kommentare Wawerkas und sein Gespräch mit Kositza gründlich angeschaut habe. Schwer vorstellbar, dass an seinem Verhalten in den Sozialen Netzwerken, unter Klarnamen in öffentlichen Gruppen, so gar niemand Anstoß genommen haben soll.

Dabei wird es sich wohl kaum um „jemanden von der EKD“ gehandelt haben. Laut Wawerka hätte nämlich eine solche Person nach seiner Demission beim Landeskirchenamt in Dresden verlangt. Ich halte das für eine hübsche Verschwörungstheorie, der nur aufsitzen kann, wer über die Abläufe innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland nur unzureichend aufgeklärt ist und der darüber hinaus eine erstaunlich hohe Meinung vom zielgeordneten Vorgehen eines Landeskirchenamtes hat.

Wawerka selbst berichtet Kositza von mehreren Gesprächen, die verantwortliche Amtspersonen der Landeskirche mit ihm in Sachen Internet-Kommentare geführt haben. Als schließlich ein Kirchenjurist vor ihm Platz nahm, hätte es auch bei ihm läuten müssen. In Wawerka ein Opfer des Landeskirchen-Betriebs zu sehen, greift in jedem Fall zu kurz. Man kann trotzdem Mitleid mit dem Mann haben.

Kein Weg zurück

Leserinnen und Leser von theologiestudierende.de wissen, dass so ein wissenschaftliches Theologiestudium kein Zuckerschlecken ist und es sich mit dem 1. Theologischen Examen mit den Hürden, die sich einem Pfarrdienstinteressenten oder einer angehenden Pfarrerin stellen, noch lange nicht hat. Wer es durch jahrelanges Studium und Vikariat geschafft hat, der atmet tief durch und freut sich, diesen unmäßigen Marathon hinter sich gebracht zu haben. Niemand setzt das Erreichte leichtfertig aufs Spiel. Darin eingepreist ist die amtskirchentypische Zurückhaltung beim Üben von Kritik. Man will ja was von diesen Leuten, am besten eine lebenslange Anstellung, da reißt man sich schon mal zusammen und hält den Mund.

Wawerka steht nach all den Jahren nicht nur ohne „Berufung“, sondern schlicht auch ohne Beruf da. Klappt es in einer Gemeinde oder gar Landeskirche nicht, dann bleibt vielen Pfarrerinnen und Pfarrern immer noch der Weg in eine andere Gemeinde oder Gliedkirche der EKD. Dafür bedarf es eines Mindestmaßes der Unterstützung aus den betroffenen Landeskirchenämtern. Nicht nur scheint Wawerka jedes Wohlwollen des Sächsischen Landeskirchenamts verspielt zu haben, es ist schwer vorstellbar, dass ihm wie in anderen Fällen „unerwünschter“ Pfarrer eine andere Landeskirche beispringt. Nicht, nachdem er fleißig weiter auf den Pfaden Kubitscheks wandelt. Die Öhlersche Warnung kommt diesbezüglich wohl zu spät.

Nicht allein

Dabei ist es schon wichtig, dass Wawerka nicht der einzige Pfarrer ist, der neurechtes Gedankengut zu Markte trägt. Vielleicht hat er es nur einfach zu ungeschickt angestellt? Jedenfalls hält sich die Sächsische Landeskirche sonst mit Kritik an ihren Pfarrerinnen und Pfarrern  – auch denjenigen in Ruhe – fast schon peinlich zurück. Dass die Beendigung des Dienstverhältnisses laut Wawerka auch darauf zurückzuführen sei, dass die EVLKS damit ihrem schlechten Ruf in diesen Fragen begegnen wolle, halte ich für einen Zirkelschluss, der vor allem die Wagenburgmentalität seiner Facebook-Gemeinde stärken soll.

Wawerka erscheint als der gefallene Sohn einer Landeskirche, die mit der Abgrenzung nach Rechts Probleme hat. Einer Landeskirche, in der er sich mit vielen seiner Überzeugungen nach wie vor Zuhause fühlen darf. Einer Kirche, die sich erst nach monatelangem Pegida-Gebrüll und Dutzenden Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte dazu durchrang, ihren Mitgliedern zu empfehlen, sie mögen doch Kerzen für die Mitmenschlichkeit in ihre Fenster stellen.

Einer Kirche, in der Viele nach eigenem Gusto aussuchen wollen, wer als verfolgte Minderheit gelten darf und die sich vielfach bis heute nicht den Zusammenhang zwischen den von ihr hochgehaltenen „traditionellen christlichen Werten“ und den fröhlichen Urständen des Rechtsextremismus in Sachsen eingestehen will. Für Ausländer Kerzen ins Fenster stellen kann man offenbar auch, wenn man Homosexualität für einen Lifestyle und eine Entscheidung hält.

Wegen Rechtslastigkeit und am Ende auch wegen ein paar geschmackloser Internet-Kommentare jedenfalls würde keine Kirche der Welt einen Pfarrer entlassen wollen. Dem sich mit ziemlicher Sicherheit anschießenden Rechtsstreit weicht jedes Landeskirchenamt, das noch ganz bei Trost ist, lieber aus. Allerdings hat Wawerka wohl übersehen, dass es in seinem Fall gar keiner „Entlassung“ bedurfte. Ohne triftige Gründe, die sich aus dem Gemeindeleben vor Ort ergeben haben, dürfte es trotzdem und trotz aller Beteuerungen Wawerkas nicht zugegangen sein.

Entweder hat Wawerka im Umgang mit seinen Dienstvorgesetzten und dem Landeskirchenamt einmalige Naivität unter Beweis gestellt oder bewusst provoziert, bis es selbst dem sächsischen Landeskirchenamt – das nicht gerade im Ruf steht, besonders schnell und entschlossen zu handeln – zu bunt wurde. Von daher findet das Mitleid mit Wawerka ein Ende: Er hätte es schlicht besser wissen müssen oder er hat es genau so beabsichtigt.

Märtyrer sein

Nach dem Ende seines Dienstverhältnisses jedenfalls hat Wawerka in den Armen seiner neurechten Freunde Trost und Halt gesucht und gefunden. Einer „Friedensandacht“ anlässlich einer linken Demo gegen das von Götz Kubitschek in Schnellroda unterhaltene „Institut für Staatspolitik“, wohlgemerkt auf Seiten der Neurechten, folgte das Gespräch mit Kositza.

Am Schluss des Interviews darf er noch über seine Zukunftspläne informieren. Er sucht um (monetäre) Unterstützung für eine neue Glaubens- und Lebensgemeinschaft. Wie eine solche Gemeinschaft aussehen könnte, davon kann vielleicht das längliche Porträt Kubitscheks im SPIEGEL einen Eindruck vermitteln. Unterstützer jedenfalls können sich seit dem Gespräch im Oktober über eine hauseigene Emailadresse an Wawerka wenden, ein Freundschaftsdienst der Kubitscheks.

Den zahlreichen Kommentatoren des Interviews imponiert der junge Mann, der sich gegen seine Kirche aufbäumt, jedenfalls ganz ordentlich. Und so lässt es sich vermutlich trotz Wegfall der landeskirchlichen Bezüge recht gut leben. Jedenfalls meint Wawerka gegenüber Kubitza, dass er durch die plötzliche Trennung nun Zeit für andere, wichtige Anliegen frei hätte: „Das Korsett, in dem man sich als amtskirchlich ordinierter Gemeindepfarrer bewegt, ist schon recht eng.“ Zu den „Dingen, die ich für wichtig halte, die mir vorher aber verwehrt waren bzw. zu problematischen Folgen geführt hätten“ in die er sich einbringen will, gehören Veranstaltungen wie die oben erwähnte „Friedensandacht“: „Vielleicht ergibt sich so etwas in Zukunft öfter.“

Berlin

Die Gelegenheit sollte sich anlässlich der von der Bewegung „Ein Prozent“, – Chef ist Götz Kubitschek, erklärtes Ziel die Schaffung einer neuen nationalen Elite – und der AfD veranstalteten „Mahnwache“ vor dem Kanzleramt nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz am 19. Dezember bieten. Wawerka auf Facebook: „Freunde hatten mich gefragt, ob ich mit ihnen die Mahnwache in Berlin besuchen wollte. […] Fünf Minuten bevor ich losfuhr riefen sie an und erklärten mir, dass der Veranstalter gern eine Andacht hätte. Ob ich das nicht machen könne. Ich dachte, warum nicht, ist sehr kurzfristig, aber ich hab Predigten schon unter größerem Stress verfasst, also: klar, mach ich.“

Andreas Öhler sprach den verloren wirkenden Wawerka kurz vor seiner Andacht an. Wawerka äußerte Zweifel: „Ich weiß nicht, ob ich hierher gehöre. Hoffentlich mache ich keinen Fehler, dass ich auftrete.“ Wawerka schreibt in seinem Bericht von seiner Unsicherheit ob der äußeren Umstände (Gegenprotest, schwierige Örtlichkeit), kein Wort davon, dass er Zweifel hegte, ob es ratsam sei, das Wort zu führen. Wawerka erhielt in Berlin Beifall für seine Eingangsworte, er wäre seinem Gewissen gefolgt, als er sich bereit erklärte zu sprechen. Auch machte er deutlich, nicht im Namen seiner Kirche zu sprechen. Da klang er, als sei er sich seiner Sache sicher.

Zum Auftritt im Talar ist inzwischen alles gesagt. Die EVLKS hat ihre Missbilligung untypisch deutlich zum Ausdruck gebracht. Das war notwendig und richtig. Eine Anzeige wegen Amtsanmaßung wird sie wohl kaum stellen, schon um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf den Fall zu lenken. Darüber hinaus gibt es noch weitere Gründe dafür, es gut sein zu lassen, die ich in einem Beitrag auf meinem Blog ausführlich besprochen habe.

Wissen, was man tut

Der „Verlorenheit“ Wawerkas muss man nicht auf den Leim gehen, sein Vorgehen erinnert im sehr viel kleineren Maßstab an das Verwirrspiel aus Provokation und Dementi, das die AfD dem ganzen Land seit Jahr und Tag aufzwingt. Ebenso wenig wie man Frauke Petry Ungeschick bei ihrem Versuch, das Wort „völkisch“ positiv zu besetzen, unterstellen sollte, braucht man Wawerka naiv zu zollen, wenn er im Talar und unter Anrufung Bonhoeffers in der Gesellschaft von Rechtsextremisten eine Andacht hält.

Dafür spricht auch, was Wawerka im weiteren Verlauf des Abends unternommen hat. Er schreibt:

Unterdessen hatte die Identitäre Bewegung die CDU-Parteizentrale besetzt. […] „Besetzt“ ist ein bisschen übertrieben, die saßen davor, umringt von schwer ausgerüsteter Polizei, und skandierten „Merkel muss weg“ und „Wir bleiben hier!“ und die üblichen Parolen. Zunächst dachte ich, hier würde gleich ne Revolution ausbrechen, aber mit der Zeit entdeckte ich, dass das mehr so eine Art Spiel war.

Ein „Friedensmann“ jedenfalls wird es wohl kaum als Spiel betrachten, wenn eine neofaschistische Jugendbewegung „die üblichen Parolen“ brüllt. Und doch scheint aus diesen von Wawerka selbst verfassten Zeilen eine Naivität hervor, die seinem stark geglätteten Gespräch mit Kositza, aber auch dem ZEIT-Porträt abgeht. Hat sich da vielleicht doch einer auf einem Spielplatz verlaufen, der ihm schlicht zu groß ist?

Wachsamkeit

Angesicht all dessen habe ich für Wawerka nicht mehr als ein Gebet übrig. Ein Gebet um Umkehr und Einsicht. Er bleibt trotz wohlmeinender Zweifel für das verantwortlich, was er auf Facebook und bei „Friedensandachten“ oder „Mahnwachen“ von sich gibt.

All denjenigen, die auf Differenzierung pochen und die Wahrheit – wie immer – irgendwo in der Mitte vermuten, sei gesagt: Wer sich in einer pluralen Demokratie äußert, der ist für seine Äußerungen voll verantwortlich, außer wenn ihm diese Verantwortlichkeit z.B. aus Krankheits- oder Altersgründen noch nicht oder nicht mehr zuzumuten ist. Wawerka ist nicht krank, mag er auch verwirrt rüberkommen. Er ist weder zu jung, noch zu alt, um für sich selbst sprechen zu können. Seine Naivität schütz ihn nicht davor, ernst genommen zu werden.

Und so werden wir Thomas Wawerka wohl noch häufiger sehen, den Pfarrer der Neuen Rechten, auch ohne Ordination und Talar. Die Auseinandersetzung mit ihm und seinen Gesinnungsgenossen wird in den Schreibstuben und auf den Plätzen des Landes gesucht werden müssen.

Er wird sicher auch nicht der einzige oder letzte Pfarrer sein, der – im Öhlerschen Sinne – „die Seiten wechselt“. Nicht immer wird damit ein klarer Bruch mit der Amtskirche einhergehen. Niemand verlässt gerne die Komfortabilität des Pfarramts und nicht jeder stellt sich bei der Maskerade so ungeschickt an wie Wawerka. Am Fall Wawerka können wir all die Mechanismen studieren, die uns bald auch in anderen Fällen drohen. Es gilt, wachsam zu bleiben.

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5 Kommentare anzeigen

  1. Guter Artikel – und eine schöne Formulierung: „eine erstaunlich hohe Meinung vom zielgeordneten Vorgehen eines Landeskirchenamtes“

    • Danke. Ich meine übrigens nicht, dass in den Landeskirchenämtern nicht auch ordentlich gearbeitet wird, sondern vor allem die Vorstellung, nach einem Anruf von „irgendwem von der EKD“ würden sie dann – egal wo – im Dreieck springen.

  2. Ansgar

    „Und so lässt es sich vermutlich trotz Wegfall der landeskirchlichen Bezüge recht gut leben.“

    So etwas macht mich betroffen, ich finde, das ist eine unchristliche Arschlochhaltung. Es fühlt sich falsch an, dass die Kirche nun selbst ein Hort zynischer politischer Verfolgung und Ausgrenzung geworden ist. Und das sage ich nicht, weil ich ein Sympathisant Wawerkas oder seiner Gesinnungsfreunde wäre, sondern aus Entsetzen über die antiliberale Denkungsart. Was ist mit uns geschehen?

    Was ich traurig finde: wie in einem so säkularisierten Land das Politische von höchster Ebene in die Religion geholt wird statt sich der Mission zu widmen. Und dann lassen wir den kleinen Pfarrer nicht in der neuen Rechten sein. Das ist falsch und verlogen. Ich habe den Eindruck meine Kirche wurde von Politikern gekapert, um meine Religion geht es nur noch am Rande in der Kirche.

    Ob das der späte Fluch der SED ist, die unsere Religion gesellschaftlich unterdrückte und ausgrenzte, und politisch verfolgte in die Arme der Kirche trieb? Eine Kirche, die ihrerseits dann doch wieder mit dem Regime opportun kollaborierte? Eine feste Burg stell ich mir anders vor.

    • Lieber Ansgar,

      ich glaube nicht, dass die Kirche, auch die Sächsische Landeskirche nicht, „ein Hort zynischer politischer Verfolgung und Ausgrenzung“ geworden ist, wie Du schreibst. Im Allgemeinen fragen die Gliedkirchen der EKD nicht nach der pol. Haltung des Interessenten, das dürften sie qua Diskriminierungsgesetzen sicher auch gar nicht. Die Frage ist doch: Was ist mit der Botschaft der Organisation, hier: Evangelium, vereinbar, was nicht? Deshalb halte ich es schon für ein Problem, „einen kleinen Pfarrer“ in der Neuen Rechten und gleichzeitig auf einer Landeskirchen-Kanzel zu haben. Was soll er von da verkündigen? Die Ankunft des Gottesreiches oder die Notwendigkeit eines neuen deutschen Reiches?

      Von welcher „höchsten Ebene“ wird denn das Politische in die Religion geholt? Dabei handelt es sich doch in keinem Fall um einen gesteuerten Vorgang. Vielmehr politisieren sich viele Gläubige doch selbst, z.B. weil sie mit politischen Ereignissen nicht einverstanden sind. So ist der Protest gegen die Ehe für alle häufig religiös aufgeladen, aber auch der Widerstand gegen Rechtsextremismus wird häufig mit dem Evangelium begründet.

      Was das alles mit der DDR-Geschichte zu tun hat, ist ein anderes spannendes Thema, das ich mir bei Gelegenheit gerne mal anschauen will. Vielleicht gibt ihnen ja einer der „Unter Heiden“-Artikel einen Eindruck davon, worin Zusammenhänge bestehen könnten.

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