Moment mal: 2016, du Arsch!
Foto: University of Houston Digital Library, Public Domain

Anschläge, Herzinfarkte, Liebeskummer und immer wieder der Tod von Prominenten, wie der sicher vorzeitige von George Michael gestern. Für viele Menschen in den Sozialen Medien steht fest, das Jahr 2016 ist schuld, einfach scheiße gelaufen, hat ’nen schlechten Charakter, ist ’n Arsch!

Ich würde meinen, es ist doch selbstverständlich, dass nicht ein Jahr schuld am Tod des Lieblingssängers oder der geliebten Schauspielerin haben kann, geschweige denn einen Einfluss auf Terroranschläge oder sonstige Krisen, also weltumspannende Ereignisse mit komplexen Ursachen. Wer ein Kalenderjahr für weltweite oder auch persönliche Schicksalsschläge verantwortlich macht, der glaubt auch an das Horoskop in der Apotheken-Umschau.

Ich meine, es steckt eine ordentliche Portion Selbstbezüglichkeit hinter solchen Äußerungen („Oh, mein Gott! Warum passiert das ausgerechnet mir?“), die aber durchaus auch interessante Züge hat, wie ich im April geschrieben habe.

Viel zu viel

Der Hauptgrund für die Anrufung des Jahres ist die Überforderung durch Nachrichten und Zeitenläufe. Es häuft sich halt manchmal. Doch natürlich wird nicht wirklich häufiger gestorben als früher, auch nicht prominent. Und auf den zweiten Blick wird unsere Welt auch nicht ständig unsicherer, kriegerischer und ungerechter. Es gibt sogar so etwas wie einen stetigen Fortschritt, man glaubt es kaum.

Weil die Wirrnisse dieser Welt so schwer zu erklären sind, nehmen Nachrichten wie der Tod von Prominenten einen größeren Raum ein, ja, werden manchmal regelrecht gehypt. Denn für den Tod eines Sängers oder einer Schauspielerin gibt es ein Skript, dem man zumal in den Sozialen Medien folgen kann. Das gibt Sicherheit, nicht zuletzt durch die Versicherung kollektiver Anteilnahme.

Das Jahr hat erstaunliche und beunruhigende Ereignisse enthalten: Brexit, hunderte Angriffe gegen Flüchtlinge, Trump-Wahlsieg, Aleppo, Weihnachtsmarkt-Attentat. Das ist mies. Daran sollte man sich nicht gewöhnen, das muss und darf nicht Gewohnheit, Normalität werden. Doch verantwortlich sind immer konkrete Menschen, nicht irgendein Jahr. Soviel ist uns allen zuzumuten.

Damit 2017 nicht ein so schlimmes Jahr wird, wie es 2016 gewesen sein soll, müssen wir alle wahrscheinlich mehr tun, als auf Facebook oder Twitter weinerlich auf Kalenderregelungen herumhacken. Das Jahr 2017 hält für uns ein paar gute Gelegenheiten dafür bereit.

Was für 1 kontingentes Life

Sicher, man kann gegen das Jahr anbrüllen oder den Versuch wagen, mit ihm handelseinig zu werden. Oder aber man findet geschicktere Wege der Kontingenzausdeutung.

Wie wäre es z.B. mit dem christlichen Sinnangebot, verdeutlicht an Leben, Sterben und Geburt unseres Heilands? Dass immer etwas sterben muss, damit ein Neues erstehen kann, das ist keine bloße Lyrik, sondern eine Grundkonstante des Lebens. Daran zu denken erleichtert den Umgang mit Abschieden und Trauer.

Und, dass weder im kleinsten Kaff, noch bei den Ärmsten der Ärmsten, nicht in Aleppo oder Berlin, Gott fern ist. Keinem von uns ist Gott fern. Er kommt im Verborgenen, im bis ins Gegenteil Verkehrten. Aber er kommt.


Before this river
Becomes an ocean
Before you throw my heart back on the floor
Oh baby I reconsider
My foolish notion
Well I need someone to hold me
But I wait for something more

George Michael, „Faith“

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