Im Dialog mit Gott Wie geht eigentlich Beten?
Foto: Milada Vigerova (CC0)

Beten. Für manche ist es eine regelmäßige Angelegenheit vor dem Essen oder vor dem Schlafen und für manche nur eine Notlösung in schwierigen Situationen. Das kann zum Beispiel kurz vor der Klausur oder aber ein heikler Moment im Straßenverkehr sein. Im Volksmund sprechen viele vom sogenannten Stoßgebet. Für manche ist das Beten ein festes Ritual, über das gar nicht mehr viel nachgedacht wird. Vor dem Essen ein Gebet sprechen – selbstverständlich und indiskutabel. Und für andere ist es ein sehr ungewohntes Gefühl, mit Gott – dem für sie scheinbar Unnahbaren – zu sprechen.

Viele erklären, Gottes Nähe zu spüren, wenn sie zu ihm beten. Andere haben beim Gebet eher das Gefühl, Gottes Größe und seine Entfernung zu einem selbst noch eher wahrzunehmen. Die meisten sprechen ebenso davon, immer wieder mit unerfüllten Hoffnungen auf Gottes Antworten konfrontiert zu werden. Wenn man mit jemandem spricht, möchte man selbstverständlich keinen Monolog führen. Wenn Gott nicht antwortet, kann sich ein Gebet jedoch leider so anfühlen. Andere – wie zum Beispiel ich – hören beim Beten Gottes Stimme. Er ist dann ganz nah bei mir und zeigt mir, dass ich nicht alleine bin.

Reden, wie mit einem Freund

Wie erreiche ich Gott? Und wie hat mein Gebet Erfolg? Welche Formen des Gebets gibt es und welche sind die richtigen?

Meiner Meinung nach gibt es darauf keine eindeutigen Antworten. So viele Formen, Arten und richtige Wege des Betens bieten sich uns an und jeder sollte für sich selbst entscheiden, auf welche Weise er sich Gott besonders nah fühlt. Schließlich ist das Beten ja dazu da, eine Beziehung zu Gott aufzubauen und ihn näher kennenzulernen, sich ihm zu öffnen.

Wir können Gott danken, ihn um etwas bitten oder ihm unsere Sorgen vortragen. Er ist für alles offen und bietet uns sein offenes Ohr. In jeder Situation, zu jedem Zeitpunkt und egal um was es geht, er ist für uns da. Und genau diese Zuverlässigkeit können wir im Gebet wahrnehmen.

Ich frage mich immer, was ich einem besten Freund erzählen würde. Teresa von Ávila sagte einst dazu:

Das Gebet ist meiner Ansicht nach nichts anderes als ein Gespräch mit einem Freund, mit dem wir oft und gern allein zusammenkommen, um mit ihm zu reden, weil er uns liebt.

Da geht es nicht immer darum, sich über etwas zu beschweren oder ihn um einen Gefallen zu bitten. Mindestens genauso wichtig ist das Danke Sagen und die Wertschätzung auszudrücken. Genauso sollten wir mit Gott umgehen. Natürlich hat er auch für unsere Sorgen ein offenes Ohr, aber es freut ihn sicherlich, auch mal zu hören, für was wir dankbar sind.

Unendliche Möglichkeiten

Es gibt feste Gebete wie zum Beispiel das Ave Maria, das Vater Unser oder das Glaubensbekenntnis, die uns Anhaltspunkte für den Kontakt zu Gott zeigen und uns helfen, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Andererseits können wir natürlich unsere eigenen Gebete formulieren und so unsere ganz persönlichen Anliegen vor Gott bringen. Auch äußerlich gibt es mehrere Möglichkeiten, sein Gebet zu gestalten: es kann im Stehen, im Sitzen, Knien oder sogar im Liegen geschehen. Dabei kann man seine Hände falten, die Augen schließen oder die Arme zum Himmel strecken. Auch unser Umfeld kann an unsere persönlichen Bedürfnisse und Gefühle angepasst werden: ob man beim Beten in eine Kirche geht, Kerzen anzündet oder ein Lobpreis singt, bleibt einem vollkommen selbst überlassen. Und von diesen vielen verschiedenen Möglichkeiten ist jede eine Richtige. Auch die Kirche und der Gottesdienst sind eine Möglichkeit zu beten und seinen Glauben mit anderen zu teilen. Gemeinsam kann ein Gebet ein sehr viel intensiveres Erlebnis werden, es kann dann zur Verbindung zwischen dem irdischen Leben und Gott, zwischen unseren Ritualen oder Bräuchen und dem scheinbar so weit entfernten Allmächtigen werden. Schon Benedikt XVI. sagte:

Schafft in Eurem Leben Raum für das Gebet! Alleine beten ist gut, noch schöner und gewinnbringender ist es aber, gemeinsam zu beten, denn der Herr hat gesagt, dass er dort, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, mitten unter ihnen ist. (vgl. Matthäus 18,20)

Das Gebet kann einen aus dem Alltag abholen und eine Struktur in diesen bringen. Wichtig ist, dass man das Beten nicht vernachlässigt: das Gebet lebt von der Treue. Wer ist schon gerne mit einem untreuen Freund in Kontakt? Wer nur nach Lust und Laune betet, kann wahrscheinlich keine so enge Beziehung zu Gott aufbauen, wie jemand der eine gewisse Regelmäßigkeit pflegt. In den Psalmen heißt es dazu:

Siebenmal am Tag singe ich dein Lob. (Ps 119, 164)

So mach‘ ich es

Im Alltag in ständiger Kommunikation mit Gott stehen. Er ist wie ein zweites „Ich“ in mir drinnen, zu dem ich ständig spreche und mit dem ich ständig Kontakt habe. Dies hat zur Folge, dass ich mich nie alleine fühle und Gott immer bei mir weiß. Diese Variante erfordert Liebe und Leidenschaft gegenüber Gott und ehrlich gesagt auch die Gedankenfreiheit, seine Gefühle für Gott zu öffnen und ihn jederzeit an den Gedanken teilhaben zu lassen.

Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten. (Lukas 18,1)

Das Beten und das Leben lassen sich nicht voneinander trennen. Sie sind tief miteinander verbunden. So wie wir mit Gott verbunden sind.

Ein Kommentar

  1. Ich habe mir schon zehntausendmal über’s Beten den Kopf zerbrochen und habe mich anderen Menschen doch nie so nah gefühlt, wie in den Momenten, als wir zusammen unsere Herzen vor Gott geöffnet haben. Für mich ist Beten, wie Luft zum Atmen.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.