Lesenswert #34 – Zombies, Frauen und der Jesus im brennenden Busch

Theologie eines Unberufenen. Oder: Zombieglaube

Der Komilitone Tobias Zehnder hat vor kurzem sein Studium abgeschlossen. Mit Blick auf sein anstehendes Vikariat fällt ihm auf, dass die Sache mit der Berufung gar nicht so einfach ist. Ein ehrlicher, entwaffnender Text:

Es ist faszinierend, wie viele TheologInnen mit Herzenslust alle Wunder in der Bibel entmythologisieren, nur um dann bei der Auferstehung des einzigen Gottessohnes eine Vollbremsung hinzulegen. Schöpfungsgeschichten, Meerteilung und Wandlung von Wasser zu Wein werden weise lächelnd dekonstruiert. […] Aber kann man guten Gewissens das Weinwunder als erzählerische Form seiner Zeit abtun, während man sich auf der anderen Seite zu einem Typen bekennt, der von den Toten auferstanden ist? Zaubertricks sind Kinderkram, aber Zombies sind in Ordnung?

„Evangelium der Frau Jesu“: Journalist bestätigt Fälschung

Eine textkritische Kriminal-Geschichte:

Einmal mehr, möchte man der Überschrift hinzufügen. Denn nach der Veröffentlichung des sensationellen Fragments im Jahr 2012 hatten bloggende Theologen das „Evangelium der Frau Jesu“ innerhalb weniger Tage als Fälschung bloßgestellt. Dass der Text einen auffälligen Schreibfehler aus einer Online-Ausgabe des Thomas-Evangeliums enthielt, überzeugte die allermeisten Fachleute.

Hide and Seek. What do we know about a child’s spiritual life?

Rebecca Nye ist Forscherin im Bereich Kinder-Spiritualität. Das Verhältnis von Kindern zur Religion kann manchmal Aufschluss geben darüber, wie wir selbst glauben. Nur, wie kann man Einblick bekommen in die Glaubenswelt von Kindern?

A clear hallmark is that children’s spiritual life is predominately non-verbal. Maybe this is also true for healthy spiritual life at any age, and as adults our spirituality can get hidden (that game again!) behind clever words. But in childhood this non-verbal quality is clear and can actually accentuate spiritual life, rather than limit it.

The Rebel Virgins and Desert Mothers Who Have Been Written Out of Christianity’s Early History

Eine Vorstellung einiger Frauen aus der Geschichte des frühen Christentums, von denen die meisten noch nie gehört haben. Frauen kamen in der Alten Kirche nämlich sehr wohl vor, nur in der Geschichtsschreibung fielen sie gern unter den Tisch:

Marcella, Melania, Susan, and Paula—they chose to live at the very edge of society. Between them, they disobeyed their families, gave away all they owned, educated themselves, produced scholarly works, founded entire communities, and were sainted. But their own words were not considered significant enough to pass down. What could they have to say about the Gospel that their male peers hadn’t said already? How could they understand their actions well enough to tell their own stories?

Die Bibel sollte frei zugänglich sein, angefangen mit der Einheitsübersetzung

Die neue Revision der Einheitsübersetzung wurde vor kurzen veröffentlicht, und auch die Neuausgabe der Lutherbibel steht vor der Tür. Zeit, einmal daran zu erinnern, dass Bibelausgaben aus theologischer Sicht kostenlos zugängig und verwertbar sein sollten:

Meiner Ansicht nach verdient diese Petition unsere volle Unterstützung – ob wir nun Katholiken sind oder nicht. Die Bibel ist das wichtigste immaterielle Gut des Christentums. Es gehört zu den Idealen unseres Glaubens, die Bibel und ihre Botschaft so weit zu verbreiten wie nur irgend möglich. Zwar ist der urheberrechtliche Schutz der Bibel in vielen Fällen verständlich und auch nicht automatisch verwerflich. Dennoch steht er dem wichtigeren missionarischen Auftrag der Christenheit oft im Weg – und ermöglicht sogar Missbrauch.

Momente für die Ewigkeit

Bei dieser kuriosen Geschichte einer jungen Vikarin von einer (fast) im Fiasko geendeten Taufe bin ich schon nur vom Lesen ins Schwitzen gekommen:

Soeben fragte ich die Eltern von Täufling Nr. 3: „Wollt ihr, dass euer Kind Magda getauft wird und […], so antwortet Ja, mit Gottes Hilfe.“ Sie antworteten wenig überraschend: Ja, mit Gottes Hilfe. Nur die kleine Magda ist sich ihrer Sache nicht so sicher. Sie ist 3 Jahre alt und hat schon am Tag zuvor den Altarraum und die Taufschale mit äußerst kritischängstlichem Blick beäugt. […] Jetzt befindet sie sich in den Armen ihrer Mutter und sagt mehrfach und für alle gut hörbar: „ICH WILL NICHT GETAUFT WERDEN!“ Mit rotgeweinten Augen schaut Magda kurz zu mir, dann auf die Taufschale mit dem Wasser, dreht den Kopf zu ihrer Mutter und wiederholt unter Tränen: „NEIN!!!ICH WILL NICHT GETAUFT WERDEN!“

Lass mal den brennenden Busch in Ruhe

Zum Abschluss eine evangelikale Perspektive auf die Frage, ob es sinnvoll ist, in der Predigt Jesus in alttestamentliche Texte hineinzuinterpretieren. Die vielleicht überraschende Antwort ist ein entschiedenes „Nein“:

Predigtvorbereitung kann so schnell zu einem theologischen Wo-ist-Waldo?-Spiel werden: An welcher Ecke kann ich Jesus entdecken? Ich meine damit nicht: An welcher Stelle kann ich über Jesus reden? Denn das sollte in jeder Predigt passieren. Ich rede von dem Faible, Jesus in den Text einzubauen. Ihn auf der Textebene hinzuzufügen, indem ein Teil der Geschichte als Jesus verstanden wird.

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