Moment mal: Ein Kessel voller heißer, starker Liebe
Foto: Taufbrunnen mit Hochzeitsschmuck in der Petripaulikirche.

Von der eigenen Hochzeit zu erzählen ist eigentlich immer eine schlechte Idee. Der vermeintlich „schönste Tag des Lebens“ mag es für die Betroffenen ja gewesen sein, das Interesse der Restmenschheit sollte jedoch nicht überstrapaziert werden. Wenn ich heute allerdings trotzdem etwas über meine eigene Hochzeit schreibe, dann weil ich bei der Pressepfarrerin unter dem hübschen Titel „Bräute heute“ aufgeklärt wurde.

Aufgeklärt wurde ich von ihr über die aktuelle Brautgeneration, die (wieder) konservativer sei, sich z.B. vom Brautvater zum Altar führen lässt oder auf einen hollywoodreifen Antrag hofft. Ich glaube es liegt einfach daran: Umso mehr die Institution der Ehe in Frage steht, desto mehr wird da in der Gestaltung der Eheschließung kompensiert. Da kann man auch mal über das Ziel hinaus schießen.

Wenn ich also jetzt gleich von meiner eigenen Hochzeit erzähle, dann nur deshalb, damit auch mal das Gegenteil im Internet steht – das habe ich nämlich gar nirgendwo gefunden – und nicht, um irgendwen in ihren oder seinen Hochzeitsträumen zu nahe zu treten. Ich will einfach nur Zeugnis ablegen:

Anders als mir selbst erinnerlich ist, habe ich – wie meine Frau mir eben sagte – sehr wohl „um ihre Hand angehalten“, und zwar als ich einmal in beömmeltem Zustand in tiefer Nacht in unser auch vor der Hochzeit geteiltes Bett plumpsend die offenbar unwiderstehliche Frage an sie richtete: „Tätst Du mich denn wirklich heiraten?“.

Als uns der Moment dann aber wirklich opportun erschien, setzten wir unsere Eltern und Freunde von unserem Ansinnen in Kenntnis. Weil der geteilte Ehewunsch auf allgemeines Wohlwollen traf und jeweils mit alkoholischen Getränken zugeprostet wurde, wird es sich dabei wohl um unsere Verlobung(en) gehandelt haben. Aus taktischen Gründen trug meine Verlobte zu zwei Anlässen einen handelsüblichen Silberring, der sich schon Jahre in ihrem Besitz befand, als „Verlobungsring“ spazieren.

Unsere standesamtliche Trauung wurde, weil wir im Vorfeld jede Ansprache untersagt hatten, von einer griesgrämigen hallenser Standesbeamtin in gut 3 1/2 Minuten durchgerockt. Ringtausch, Bussi und Unterschriften inklusive. Danach verspeisten wir gemeinsam mit den nächsten Anverwandten ein bekömmliches Mittagessen (Rouladen, Klöße, Rotkraut) aus eigener Küche.

Unsere kirchliche Trauung, die eigentliche Hochzeit also, sollte dann am neuen Wohnort in Lutherstadt Eisleben stattfinden. In die gut gefüllte Petripaulikirche zogen wir hand-in-hand exakt drei Schritte hinter der Pfarrerin ein. Der Vater der Braut und/oder meine Mutter vollzogen keinen merkantilen Übergaberitus. Auf die Frage hin, ob wir das mit der Eheschließung wirklich ernst meinten, antworteten wir beide im Chor: „Ja, mit Gottes Hilfe.“ Nachdem wir uns zum Segen hingekniet hatten, folgte ein weiterer Kuss, diesmal vor versammelter Gemeinde.

Nach Auszug der irdischen Heerscharen, Hemmen und Glückwünschen feierten wir dann ausgiebig mit unseren Gästen. Das letzte verbliebene Stück Hochzeitstorte (drei Etagen: Schoko, Nougat, Eierlikör) habe ich letzte Woche aus dem Gefrierschrank gefischt und bei der Lektüre der „Bräute heute“-Artikel vernichtet.

Das von der Kaltmamsell diagnostizierte Brauthormon muss uns beiden abgegangen sein, wenngleich der Aspekt mit der Jahresfrist korreliert. Ja, wir waren aufgeregt (Um einmal die herkömmliche Standardfrage an ein Brautpaar „Na, seid ihr denn schon aufgeregt?“ aufzunehmen). Nein, wir haben uns nicht gestresst. Allein schon weil unsere Familien und Freunde uns prima unterstützt haben und vor allem, weil wir den Tag nicht mit irgendwelchen Fremderwartungen überfrachten wollten. Unsere Hochzeit hat uns entsprochen und wir sind mit ihr sehr glücklich.

In Anlehnung an unseren Trauspruch aus Philipper 4,6 zum Schluss der einzige Ratschlag an Brautleute, den ich mir hier rausnehmen will: Sorgt Euch doch nicht kaputt, macht es so, wie es Euch gefällt – selbst wenn das heißt, die Übergabe vom Brautvater zum Bräutigam gegen den Pfarrer durchzusetzen – macht Euch locker und werdet glücklich.

Schlagwörter: , , , , ,

3 Kommentare anzeigen

  1. Das ist doch richtig nett geschrieben. Eine Hochzeit, nicht von der Stange.
    Wir feierten letztes Jahr einen Zahlendreherhochzeitstag: unseren 45jährigen, nach 54 Jahren Kennenlernen, der eigentlich auch unser 50. hätte sein können. Diese Kombination wie auch die Hochzeit selber war wohl eher einzigartig.
    Meine Rede mag ich nicht online stellen. Bei begründetem Interesse und der Zusage, keine Namen zu veröffentlichen aber per Mail.

    PS: Die „eigentliche“ Hochzeit findet auf dem Standesamt statt, wie ich auch kürzlich bei der Trauung eines unserer Söhne verdeutlicht habe. »Die Stadt Reutlingen stellt eine schöne Kapelle mit gotischem Gewölbe zur Verfügung. Es war auch schön feierlich und die Rede der Standesbeamtin war dem Anlass angemessen. Sie sprach auch von Eurer gegenseitigen Verantwortung in guten wie in bösen Tagen. Warum nun eine kirchliche Trauung, wenn schon das Standesamt in feierlichem Rahmen säkular-religiös die Verantwortung füreinander hervorhebt?«

    • Auch darauf kann ich nur antworten, was uns bewegt hat: Wir wollten ganz ausdrücklich kein von Staatswegen verordnetes Gelaber a’la „Jetzt benehmen sie sich mal!“. Da hatten wir durch Anschauung bei anderen Hochzeiten, die ausschließlich auf dem Standesamt stattfanden, negative Eindrücke gesammelt. (Bisschen vergleichbar mit weltlichen Grabrednern im Vergleich zu Pfarrernden, obwohl es natürlich auch Standesbeamtinnen und Grabredner gibt, die das ganz toll machen.) Die gesetzliche Diskriminierung unverheirateter Familien geht uns eh gegen den Strich und ich persönlich wüsste nicht, was mir eine Beamtin des Staates, die im besten Falle weltanschaulich neutral spricht, anlässlich einer Eheschließung sagen könnte.

      „Die Ehe ist ein weltlich Ding“, schon klar, eben drum wollten wir da keinen Bohei drum machen. „Weltlich“ heißt ja nicht nur „nicht kirchlich“, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „profan“, jedenfalls für uns. Ihre Bedeutung wird ums deftiger übertrieben, desto mehr sie in Frage steht. Die kirchliche Trauung a’ka Einsegnung war uns da wichtiger, weil uns da Worte in unser Leben gesprochen werden, die für uns tatsächliche Bedeutung haben sollen.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.