5 Bücher, in denen Du etwas über den Islam lernen kannst

Für Theologiestudierende bleiben Bücher – digital oder gedruckt – besonders wertvoll. Jedes ein kleiner Brunnen, der uns aus den unendlichen Tiefen des Weltwissens schöpfen lässt. Diese Bücher empfehlen Euch die Autor_innen von theologiestudierende.de zum Islam:

Themenmonat Islam und Theologie

Viele Muslime leben seit Jahrzehnten (manche gar seit Jahrhunderten) in Europa, andere wandern zur Zeit ein oder befinden sich auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Welche Rolle spielt ihre Religion in diesen Konflikten und in ihrem Alltag? Welche Impulse gehen von der islamischen Theologie aus? Was kann die christliche Theologie zur Debatte beitragen? Was können wir voneinander lernen?

Hans Küng: Der Islam

Kann ein Buch zu viele Informationen bereithalten? Hans Küngs umfangreiches Buch über das Christentum habe ich während meines FSJs durchgelesen und nehme es auch heute noch zum Nachschlagen zur Hand. Seinen ebenso fetten Brocken über den Islam habe ich mir genau deshalb zugelegt: Ein Buch, in dem fast alles einmal drin steht, durch das man sich durchkämpfen kann und das einem danach als Wissensbrunnen zu Verfügung steht, auch wenn man nur selten aus ihm schöpft.

Trotzdem hat das Buch erst einmal ein trauriges Dasein in meinem Bücherregal gefristet, der Umfang hat mich von einer gründlichen Lektüre lange abgehalten. Ich habe es bis heute nicht von vorne bis hinten durchgelesen. Wenn man sich dieses Buch nicht komplett erschlossen hat, dann fällt auch das Nachschlagen bestimmter Informationen darin nicht leicht.

Doch weite Teile der Religions- und Dogmengeschichte des Islam hat es mir trotzdem eröffnet. Mir kommt es so vor, als dass sich diejenige, die diesen Brocken von vorne bis hinten verdaut hat, fast eine Islamexpertin schimpfen könnte – gemessen an den Maßstäben, die wir an unser Islamwissen landläufig anlegen. Dieses Buch ist eine Aufgabe, genauso wie das Verständnis des Islam eine Aufgabe bleibt. (Philipp Greifenstein)

Der Islam, Hans Küng, Piper, 24,95 € (Taschenbuch), Link zur Verlagshomepage


Navid Kermani: Ausnahmezustand – Reisen in eine beunruhigte Welt

Kermani packt die Leser, nimmt sie mit auf seine Reisen: Pakistan, Afghanistan, Irak, Syrien, den Gazastreifen. Und nach Lampedusa. Faszinierend sind die Menschen, denen Kermani begegnet und die er uns vorstellt. Der Bettler auf dem Friedhof; der Sufi-Meister und kleine Leute in großen Zusammenhängen.

Deutlich wird dabei, wie vielfältig, wie bunt und wie spannungsreich sich die islamische Tradition entwickelt hat – und entwickelt. Es gelingt Kermani ausgezeichnet, diese Vielfalt schillernd darzustellen. Gleichzeitig wird der Schmerz spürbar, den der gläubige Muslim empfunden haben muss. Großen Teile der islamischen Welt geraten aus den Fugen, und die eigene Religion vermag es nicht, Frieden zu stiften, sondern wird instrumentalisiert, um Muslime gegen Muslime auszuspielen. Nach der Lektüre schüttelt man noch frustrierter mit dem Kopf, wenn über „den Islam“ diskutiert wird.

„Ausnahmezustand“ ist ein brillanter Bericht genauer Beobachtungen. Navid Kermani schafft es, politische und religiöse Zusammenhänge darzustellen und diese gleichzeitig mit dem Leben der Menschen vor Ort zu verknüpfen. Packend. (Daniel Fetzer)

Ausnahmezustand: Reisen in eine beunruhigte Welt, Navid Kermani, Verlag C. H. Beck, 16,95 € (Taschenbuch), Link zur Verlagshomepage


Feridun Zaimoglu: Leyla

Diesen Roman muss man erleben, mit zügigem, gar geübten Lesen kommt man hier nicht weiter. Die Sprachmacht – hier muss man es einmal so nennen – des Buches macht ein einfaches Schmökern unmöglich, Zaimoglu fordert uns mit seiner Sprache zu genauem Lesen. Wer das tut, wird nicht nur eine packende Erzählung entdecken, die mir auch eine Menge über die Gegenwart der Muslime in Europa beigebracht hat. Er wird auch immer wieder innehalten und Passagen und Sätze noch einmal lesen, einfach weil sie so schön sind – erhaben und lehrreich zu gleich. Leyla ist eine richtig gute Geschichte, weil sie gleichzeitig Kunstwerk ist. Nicht nur das Erzählte, sondern das Erzählende lehrt hier. (Philipp Greifenstein)

Leyla, Feridun Zaimoglu, Kiepenheuer & Witsch, 22,90 € (gebunden), Link zur Verlagshomepage


EKD: Christlicher Glaube und religiöse Vielfalt in Evangelischer Perspektive

Manchmal versteht man den Anderen besser, wenn man sich selbst besser kennenlernt. Die EKD hat letztes Jahr einen Grundsatztext über den interreligiösen Dialog herausgegeben, der für einen EKD-Text erstaunlich wenig Kontroversen heraufbeschwor. Das besondere an diesem Text ist, dass er auf keiner Seite vom Pferd fällt: Weder vertritt er ein beklemmenden Alleingeltungsanspruch, noch verliert er sich im pan-religiösen Einerlei.

Dieses kleine Büchlein, dass es auch als PDF zum Download gibt, demonstriert vorbildlich, dass religiöse Vielfalt nicht nur eine Aneinanderreihung von theologischen Kompromissen, sondern ein echter Gewinn sein kann. (Max Melzer)

Christlicher Glaube und religiöse Vielfalt in Evangelischer Perspektive, EKD (Hg.), 2015, Gütersloher Verlagshaus, Link zum PDF


bpb: Kleines Islam-Lexikon

Braucht es noch ein extra Lexikon des Islam, wo doch in der Wikipedia alles nachzuschlagen ist? Ich denke schon. Nicht weil die Wikipedia achso unzuverlässig wäre, sondern weil es manchmal gut ist, etwas in aller Kürze erfahren zu können. Die lexikalische Arbeit besteht ja nicht nur aus der Sammlung von Wissen – was die Wikipedia ausgezeichnet kann -, sondern auch aus dessen Auswahl und konzentrierter Darstellung.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) gibt daher ein eigenes Islam-Lexikon heraus, das mit dem Attribut „klein“ völlig unzureichend beschrieben ist. Ob man es nun in Buchform im heimischen Bücherregal stehen hat oder auf der Website der Bundeszentrale zu Rate zieht, es liefert in jedem Fall wissenschaftlich abgesicherte Fakten zu Geschichte, Alltag und Kultur des Islams und – nicht zu unterschätzen – ist vor allem mit Blick auf die Situation des Islams in Deutschland hin verfasst. Eine unverzichtbare Hilfe, wenn es um die fachliche und gesellschaftliche Beschäftigung mit dem Islam geht.

Die Bundeszentrale bietet darüber hinaus in ihrem Bücher- und Zeitschriftenprogramm eine Menge weiterer Literatur zum Thema Islam an. Ein weites Feld, von dem man sicher nicht nur für Haus- und Studienarbeiten ernten kann. (Philipp Greifenstein)

Kleines Islam-Lexikon, Ralf Elger / Friederike Stolleis (Hg.), Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Link zur Online-Ausgabe des Lexikons

2 Kommentare anzeigen

  1. Ein weiterer Buchtipp kommt von Patrick, der schon 2013 auf theologiestudierende.de über das Buch „Der Islam – Für Kinder und Erwachsene“ von Lamya Kaddor und Rabeya Müller geschrieben hat:

    „Was mich besonders angesprochen hat war, wie auf einfache und wenig aufrührerische Weise hier ein anderes, offeneres und zum Nachdenken einladendes Bild des Islams gezeichnet wird, fern von Zwang und offen für den Dialog. Wer den Islam verstehen lernen will und vielleicht auch selbst zum Nachdenken über den eigenen Glauben angeregt werden will, findet mit diesem Buch den besten Einstieg.“

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