„It’s not so far from you“ Vom Islam singen – #SongsofIslam
Foto: Nick Leonard (CC BY-NC-SA 2.0)

Über die Jahrhunderte hinweg haben Komponisten und Musiker sich dem Islam genähert, sei es aus der Ferne und mit feindlicher Absicht, sei es aus tiefer Verbundenheit. Muslimische Künstler und ihre Musik sind vielen von uns in Deutschland nahezu unbekannt, deshalb wollen wir gemeinsam mit Euch #SongsofIslam sammeln: Lieder und Musikstücke, die Euch bewegen, nachdenklich stimmen oder zum Lachen oder Weinen bringen. Unter dem Hashtag #SongsofIslam sammeln wir hier in den Kommentaren, auf Twitter und Facebook Eure Vorschläge.

Themenmonat Islam und Theologie

Viele Muslime leben seit Jahrzehnten (manche gar seit Jahrhunderten) in Europa, andere wandern zur Zeit ein oder befinden sich auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Welche Rolle spielt ihre Religion in diesen Konflikten und in ihrem Alltag? Welche Impulse gehen von der islamischen Theologie aus? Was kann die christliche Theologie zur Debatte beitragen? Was können wir voneinander lernen?

Erhalt uns Herr, bei deinem Wort

Den Anfang machen wir mit einem Lied aus christlich-protestantischer Tradition. Dieses Kampf- und Kinderlied (!) Martin Luthers richtete sich seiner Urfassung nach gegen die beiden größten Feinde des Christenmenschen: den Papst und die Türken. Der konkrete textliche Bezug ist aus der Fassung des Evangelischen Gesangbuchs schon lange verschwunden, geblieben ist die dringende Bitte an Gott, dass er seiner Feinde Mord kräftig steuern möge. Das will nicht so recht zu einem Gott des Friedens passen.

Nun wird man in den evangelischen Kirchen hierzulande (hoffentlich) keine Christin und keinen Christen treffen, der sich für den Mord an Moslems oder auch des Papstes stark macht, doch Erhalt uns Herr, bei deinem Wort kann uns beim Blick in unser Gesangbuch immer noch praktisch daran erinnern, dass auch unsere ach so aufgeklärte Religion gefährliche und abstoßende Traditionen mit sich führt.

Dazu gehört neben vielen antisemitischen und antikatholischen Sedimenten auch ein gerüttelt Maß an Ablehnung gegenüber „den Muselmanen“. Wie weit sind wir tatsächlich gekommen, wenn auch heute im Namen des Christentums zu Gewalt gegenüber Muslimen aufgerufen wird? Wenn auch heute das Wort Gottes – Jesus Christus – zur Heiligung der Waffen missbraucht wird?

Peace train – Yusuf Islam

Welche muslimischen Künstler fallen Euch ein? Ich gebe ehrlich zu, mir fällt das wirklich schwer. Der erste (und lange einzige) Musiker, der mir eingefallen ist: Yusuf Islam, the artist formerly known as Cat Stevens. Nach einer persönlichen Grenzsituation und auf dem Höhepunkt seiner Karriere konvertierte der britische Musiker Mitte der 1970er-Jahre zum Islam. Seine Musikkarriere ließ er daraufhin fast 20 Jahre ruhen.

Sein erstes Album als Yusuf bestand dann aus reinem Gesang, nach eigener Aussage „islamische Musik“, die ohne die „westliche“ Gitarrenbegleitung auskam. Zu unser aller Glück wendete er sich später wieder der Folkmusik zu, die ihn mit Liedern wie Morning has broken bekannt gemacht hat. Fazszinierend auch die deutsche Fassung Morgenlicht leuchtet, die in christlichen Gemeinden als neues geistliches Lied noch immer fröhliche Umtriebe feiert.

Peace Train enthält eine universale Friedensbotschaft, die sich mit jeder religiösen Tradition verknüpfen lässt. Indem Yusuf dieses Lied aus seinem Frühwerk heute der ganzen Welt vorspielt, hält er Muslimen und Andersgläubigen gleichermaßen den Spiegel vor. Frieden ist es, was sich die Menschen aller Glaubensrichtungen wünschen: It’s not so far from you.

Salaamalek – Farhad Darya

Farhad Darya ist einer der bekanntesten afghanischen Musiker und auch hierzulande dank einer Kooperation mit Peter Maffay nicht mehr gänzlich unbekannt. Popmusik in einem Land zu machen, in dem sie unter den Taliban verboten war, das durch Krieg zerfetzt und bis in die Herzen der Menschen zerstört wurde, ist eine riesige Herausforderung und ein starkes Hoffnungszeichen. Farhad Darya steht für eine neue Generation Muslime, die die eigene Tradition und Sprache mit westlichen Einflüssen verbindet.

Diese zarten Pflänzchen, die ohne Abgrenzung auskommen, wachsen überall in den mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern. Doch sie sind auch überall bedroht von Terror und extremistischen Hütern der Religion und traditionellen Ordnung. Salaamalek stellt ebenso wie Peace Train eine universale Friedensvorstellung ins Zentrum. Frieden soll nicht nur in Afghanistan werden, sondern auch in Berlin, Paris und Jerusalem.

Muslimischer HipHop

Das Musikgenre mit der größten Bedeutung für junge Muslime in Deutschland ist mit großer Sicherheit der HipHop. Leider kenne ich mich selbst mit den Ausformungen des durch den Islam geprägten modernen Sprechgesangs zu wenig aus. Vielleicht können da ja unsere Leser (aus-)helfen? Ist Musik gleich islamisch, wenn sie von Muslimen gemacht wird? Ganz sicher nicht. Spielt sie mit religiösen Motiven, wie es jede Popmusik tut? Ganz sicher. Popularisiert sie auf diesem Weg islamische Vorstellungen, ist sie gar missionarisch angelegt?

Ich habe die Verwachsungen mit den unterschiedlichen Jugendkulturen jedenfalls nicht durchschaut und an manche Erzeugnisse vermeintlicher „Ghetto-Rapper“ komme ich schon aus ästhetischen Gründen nicht ran. Gefunden habe ich aber diesen schon etwas betagten Artikel über Sprechgesang-Artisten, die sich explizit als religiöse Musiker verstehen und ein nettes kleines Video über eine junge Berliner Musikerin.

Fazil Say

Auf Fazil Say bin ich dank einer formidablen Redaktionskollegin erst vor ein paar Tagen aufmerksam geworden. Seitdem habe ich mich auf Youtube ein wenig eingehört. Und so soll er hier zum Schluss meiner Vorschläge einiger #SongsofIslam stehen. Dann seid Ihr dran!

Fazil Say ist für mich ein wunderbares Beispiel dafür, was aus der gegenseitigen Befruchtung „abendländischer“ und „morgenländischer“ Kultur entstehen kann. Seine Kompositionen folgen – soweit ich das als Volllaie beurteilen kann – den Strukturen und Traditionen des Okzidents. Das Material seiner Musik bringt er uns im umfänglichen Sinne aus dem Morgenland mit. Daraus entsteht Musik, von der ich mir vorstellen kann, dass sie nicht nur Europäer, sondern Erdenbewohner ganz unterschiedlicher Herkunft und Religion anspricht.

Natürlich hat auch er sich mit Vertretern des islamischen Establishments angelegt. Auch auf diese Weise bleibt er einer stolzen Künstlertradition treu. Bisher hat er eine Reihe musikalischer Werke vorgelegt, die (warum auch immer?!) fast alle auf Youtube nachzuhören sind, u.a. drei Sinfonien. Sechseinhalb weitere dürfen also noch gerne folgen!

Als Pianisten könnt ihr ihn in dieser Aufführung des 3. Klavierkonzerts von Ludwig van Beethoven erleben. Seine İstanbul Symphony erklingt in diesem Video, ebenfalls durch das hr-Sinfonieorchester und mit einer kleinen „Werkeinführung“ durch den Komponisten. Hier vor Ort aber ein kurzes Klavierstück, das die Verquickung von Orient und Okzident wunderbar vorführt: Kumru Ballad.

Jetzt bist Du dran!

Welche (Kirchen-)Lieder, Popsongs, Sinfonien oder Musiken sind für Dich #SongsofIslam? Schreib es uns in die Kommentare oder auf Twitter und Facebook und teile diesen Artikel und die darin enthaltene Musik mit deinen Freunden!

Salam, Shalom, Friede sei mit Dir!

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