Moment mal: Die gehen nicht wieder weg

Vor ein paar Wochen war ich bei einem abendlichen Fastenbrechen zu Gast im islamischen Kulturzentrum in Halle (Saale). Mehr dazu in Bälde. Was mich heute interessiert? Im Vorfeld unseres Besuchs gab es durchaus skeptische Stimmen. Muss denn jetzt alle Welt zum Fastenbrechen in der örtlichen Moschee anrücken? Zwingt sich denn der Islam als Thema uns in einer Breite auf, die mit den realen (Kräfte-)Verhältnissen in unserem Land wenig zu tun hat?

Ich weiß es nicht und es ist heute auch nicht an mir, darauf eine abschließende Antwort zu geben. Viel mehr will ich zur gemeinsamen Suche, zum gemeinschaftlichen Nachdenken anregen, über den Islam und seine Stellung in unserer Gesellschaft. Schaue ich mich da um, lerne ich auch eine Menge über mich und meinen Glauben.

Es ist völlig unerheblich, ob man über die Muslime bei uns vor allem unter dem Stichwort Flüchtlingskrise spricht oder die Relevanz des Themas unter den Schlagworten Migration und Globalisierung zu fassen versucht: Die Muslime sind hier, um zu bleiben. Die gehen nicht wieder weg.

Allein das sollte uns reichen, um uns mit Neugier und Frohsinn und manchmal auch mit einer Portion Skepsis endlich intensiver mit dieser Religion und ihren Menschen zu befassen. Denn nicht nur die Abhandlung des Themenfeldes in den großen Nachrichtenmedien verharrt oft auf einem erbärmlichen Niveau, repetiert die immer gleichen vermeintlichen (Glaubens-)Wahrheiten.

An den theologischen Fakultäten spielt der Islam eine marginale Rolle. Zuerst einmal ist das auch gut so, das Studium ist ja der Reflexion unserer eigenen Religion, den Formen unseres christlichen Glaubens gewidmet. Doch dieser Glaube existiert nicht im luftleeren Raum, weshalb die Abhandlung des Islam in der Religionswissenschaft oder interkulturellen Theologie nicht der Weisheit letzter Schluss bleiben kann. Die Wechselwirkungen des Islam auf das Christentum bedürfen einer genaueren Betrachtung auch in den anderen Disziplinen der Theologie.

Unser Gastgeber versicherte uns mehrmals, der Islam sei im Kern eine ganz und gar einfache Religion. Designed, um Menschen in ihrem Alltag Anleitung, Schutz und Trost zu geben. Mich hat das nachdenklich gestimmt, was denn eigentlich das Einfache am Christentum ist – das sich jeder und jedem alltäglich unmittelbar erschließt.

Doch bei der Betrachtung des Islam und seinen Wechselwirkungen mit der europäischen Mehrheitsgesellschaft dürfen wir es uns gerade nicht einfach machen. Das heißt, sich schneller Urteile zu enthalten und die Kiste mit den gegenseitigen An- und Vorwürfen mal zur Seite zu stellen. Stattdessen empfiehlt sich mir eine Haltung des unverbindlichen Besuchs, des aufmerksamen Beobachtens, des Sich-dazu-Setzens in den Kreis derjenigen, auch in den Moscheen des Landes fleißig theologisierenden und diskutierenden Menschen.

Themenmonat Islam und Theologie

Viele Muslime leben seit Jahrzehnten (manche gar seit Jahrhunderten) in Europa, andere wandern zur Zeit ein oder befinden sich auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Welche Rolle spielt ihre Religion in diesen Konflikten und in ihrem Alltag? Welche Impulse gehen von der islamischen Theologie aus? Was kann die christliche Theologie zur Debatte beitragen? Was können wir voneinander lernen?

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