„Das ist erst der Anfang“ Ein Interview mit Lina Neeb über eine ökumenische Vision
Tagungs-Gruppenfoto (Judith Gaebel)

Auf der Ökumenischen Tagung, die vom 20. bis 22. Mai 2016 in München stattfand, führte Deborah Kehr für theologiestudierende.de ein Interview mit Lina Neeb. Lina ist nicht nur Theologiestudentin aus Leipzig und Autorin bei theologiestudierende.de, sondern auch Mitorganisatorin der Ökumenischen Tagung gewesen, auf der katholische, orthodoxe und evangelische Theologiestudierende für ein Wochenende zu einem Austausch zusammenkamen.

theologiestudierende.de: Auf welchen Programmpunkt freust du dich besonders?

Lina Neeb: Es wird zum Abschluss des ersten Tages einen Galaabend geben. Es werden einige Freunde von mir dort sein und ich wünsche mir, dass meine Freunde auch untereinander Freunde werden.

Lina Neeb und Lucas Dinter

Lina Neeb und Lucas Dinter. Foto: Judith Gaebel

Was hat dich auf die Idee gebracht, diese Tagung mitzugestalten und was hat dich bei der Arbeit motiviert?

Lucas Dinter als Initiator der Tagung hat mich letztes Jahr schon einmal in das Tagungshaus eingeladen und  mich mit seiner Vision angesteckt. Es hat mich total beeindruckt, welche Gedanken er sich zu dieser ökumenischen Tagung gemacht hat. So etwas gab es ja vorher noch nicht und ich hatte das Gefühl, dass es wichtig ist, dass es so etwas gibt und dass es Wellen schlagen könnte, wenn wir es richtig anpacken.

Was bedeutet für dich persönlich Ökumene?

Meine Vorstellung von Ökumene ist vielleicht etwas kitschig aber im Grunde bedeutet es für mich, Freude und Leid zu teilen. In der Zusammenarbeit mit Lucas habe ich gemerkt, dass uns als Theologiestudierende und besonders auf die Studienphase bezogen, ganz viel verbindet. Auf beiden Seiten gibt es sowohl Zweifel aber auch Vorfreude auf den kirchlichen Dienst, beide Seiten können Ärger mit den kirchlichen Strukturen haben. Aber über die Konfessionen hinweg gibt es Studierende, die sich nicht abschrecken lassen und mit ganzem Herzen dabei sind.

Du hast die katholische Kirchenstruktur erlebt. Beneidest du manchmal die Katholiken um ihre zentralen Entscheidungswege?

Ich muss leider schon sagen, dass ich mich in Vorbereitung für diese Tagung von der evangelischen Kirche oft im Stich gelassen gefühlt habe. Ich musste mich durch etliche Bürokratiemauern durchkämpfen, um mein Anliegen vorzubringen. Von katholischer Seite war es meist schon mit einem Anruf getan, weshalb dort die Organisation viel flüssiger lief.

Gab es in der Vorbereitung der Tagung ökumenische Herausforderungen?

Tatsächlich waren es die kirchlichen Strukturen, die es uns von evangelischer Seite sehr schwer gemacht haben und uns manchmal auch in unserer Begeisterung und Arbeit gebremst haben. Inhaltliche Streitpunkte gab es dagegen in meinem Organisationsbereich keine.

Nach der Arbeit, die du mit dieser Tagung hattest, würdest du so etwas trotzdem nochmal machen?

Ich würde auch jetzt, wo die Tagung noch nicht hinter uns liegt, sagen, dass ich dieses Projekt für eine großartige Idee halte. Ich denke, dass es die Arbeit auf jeden Fall wert war. Ich hoffe, dass sich bei dieser Tagung Menschen finden, die Lust auf Ökumene haben, sich gut verstehen und sich vorstellen können, das Projekt weiterzuführen.

Was wünschst du dir für die ökumenische Zukunft der Theologiestudierenden?

Dass sie weiter geht! Diese Tagung ist ja erst der Anfang. Ich hoffe, dass sich unsere Vision weiterentwickelt. Das könnte so aussehen, dass es weiter gemeinsame Tagungen gibt, vielleicht sogar ein gemeinsames Gremium, in dem wir uns eine gemeinsame Stimme verschaffen. Wir könnten damit ein Zeichen setzen und gehört werden in der gesamtdeutschen Ökumene.

Vielen Dank für das Gespräch, wir wünschen eine gute Tagung!


Auf der Ökumenischen Tagung treffen sich zwar die Studierenden in ihren Vertretungsorganen (AGT und SETh), der Fokus der Tagung liegt aber auf dem ökumenischen Austausch und einem gegenseitigen Kennenlernen. Alle Teilnehmenden sind unter einem Dach untergebracht und nehmen, abgesehen von recht knappen Sitzungseinheiten zwischendurch, am gleichen Programm teil. So wird am ersten gemeinsamen Abend ein ökumenischer Festgottesdienst gefeiert. Am folgenden Tag tauschen sich die Studierenden in drei verschiedenen Workshops aus. Statt in endlosen Sitzungen enden beide Abende in geselligem Beisammensein.

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