Lesenswert #29 – Liebe, Ehre und Raumschiffe

Schon länger habe ich kein Lesenswert mehr zusammengestellt. Damit ist jetzt Schluss, hier eine neue Sammlung lesenswerter Links:

Die neue Freiheit der Kirche

Das theologische Top-Thema der letzten Wochen war natürlich Amoris Laetitia, das neue Schreiben des Papstes zum Thema Ehe und Familie. Dazu haben ja alle möglichen Leute alles Mögliche geschrieben, hier verlinke ich einen Bericht aus der ZEIT:

Für den konservativen Flügel in der katholischen Kirche ist Amoris Laetitia ein Albtraum, da die Kirchenführung ausdrücklich ihre Eigenschaft als letzte Kontrollinstanz in Sachen Sex aus der Hand gibt. Tatsächlich deutet sich ein Dilemma für die Kirche an: Franziskus hebt weiterhin die Einheit von Lehre und Praxis hervor, lässt aber gleichzeitig den verschiedenen Interpretationen der Lehre freien Lauf. Das Zerrbild von Normen und ihrer Befolgung könnte so künftig noch groteskere Formen annehmen.

Ich finde sehr interessant, wie unterschiedlich verschiedene katholische Strömungen den Text lesen. Die einen sehen in Amoris Laetitia eine enorme Öffnung der katholischen Morallehre, die anderen sehen sich durch das Dokument in ihrem entschiedenen Konservativismus bestätigt. Sollte es Franziskus tatsächlich geschafft haben, es allen mehr oder weniger Recht zu machen?

Plädoyer für eine unterhaltsame Bibelwissenschaft

Ein Interview mit dem katholischen Neutestamentler Werner Kleine auf dem Blog Grammata:

Der größte Lapsus hingegen besteht darin, dass jemand seinen Hörerinnen und Lesern zeigen möchte, wie gelehrt er ist. Eine Fülle und Anhäufung von Fachbegriffen und gedrechselten Sätzen zeigt aber nicht unbedingt Gelehrsamkeit an, sondern das didaktische Unvermögen, Wissen zu vermitteln. Mich beschleicht in solchen Fällen immer der Verdacht, dass der vermeintlich Gelehrte das, was er sagt, vielleicht selbst nicht verstanden hat und hier nur potiemkinsche Dörfer einer faktisch nicht vorhandenen Gelehrtheit errichtet.

Ich finde es erfrischend, Kritik an diesem Fachduktus aus den eigenen Reihen zu hören. Die Marotten des theologischen Professoriats hatte Thea ja bereits für theologiestudierende.de pointiert kommentiert. Auch Anregungen aus dem Text zum Theologiestudium finde ich bedenkenswert, etwa die Forderung nach mehr Rhetorik im Studium.

Zwischen den Spiegeln – Science-Fiction, Alltag und Religion

Es sei mir gegönnt, noch etwas Nerdiges zu verlinken. Michael Waltemathe hat für Ta katoptrizomena eine theologisch-gesellschaftliche Untersuchung einer ganzen Reihe von Science-Fiction-Geschichten geschrieben:

Neben sozialen und kulturellen Spiegelbildern werden auch religiöse Themen auf diese Weise in der Science-Fiction Literatur behandelt. In einer Kurzgeschichte von Isaac Asimov (1956) mit dem Titel “The Last Question”[8] wird an verschiedenen Zeitpunkte in der Entwicklung des Universums intelligenten Computern die “letzte Frage” gestellt. Die letzte Frage bezieht sich darauf, wie man die Sterne am Sterben hindern kann, also wie man die Entropie umkehrt. Während sich die Menschheit von unserem jetzigen Zustand zu reinen Geistwesen entwickelt, bleibt die Frage unbeantwortet. Erst als die Menschheit nicht mehr existiert kann der letzte Computer die Frage beantworten. Da niemand mehr da ist, um die Antwort zu hören, setzt er die Antwort praktisch um mit den Worten: „Es werde Licht…“.

Hier finden sich viele Verweise auf Science-Fiction-Klassiker, aber auch ein paar interessant klingende Geschichten, die ich noch nicht kannte.

Eine Frage der Ehre

Noch ein Text zur derzeit unumgehbaren Causa Jan Böhmermann. Philipp Kurowski hat auf seinem Blog über Ehre und Würde nachgedacht

Es ist eine Frage der Ehre, um die es geht, und die heute als Relikt einer Ära des Feudalismus, Militarismus und Machotums erscheint. Ehre ist ein extrem fragiles gesellschaftliches Konstrukt, das schon mit einem Wort, einer Geste, einer Grimasse („Er hat mich fixiert“ – Heinrich Mann, Der Untertan) in akute Einsturzgefahr gebracht werden kann. Ehre muss deshalb geradezu penibel geschützt und mit notfalls blutigem Ernst verteidigt werden.

Ein sehr interessanter theologischer Ansatz, um mit der satirischen Grenzüberschreitung Böhmermanns umzugehen.

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