Ausprobiert: Devotionalium Die neue Losungs-App

Devotionalium möchte die neue Losungs-App für den Mac werden. Hebräische und Griechische Darstellungen der Tagesverse klingt spannend. Wie sich das Programm im Alltag schlägt, habe ich getestet.


Anmerkung vorweg: Max ist Chefredakteur von theologiestudierende.de und bat mich, dieses Review zu schreiben. Das soll mich nicht daran hindern, auch Kritikpunkte offen zu legen.

Kommilitone und Theologiestudierende-Kollege Max Melzer schickte mir schon vor einigen Wochen einen Entwurf seiner App Devotionalium, die zwar nur unter OS X funktioniert, allerdings auch eine Web-Ansicht mitbringt.

devo_grundansichtIn der Grundansicht kommt die kleine App einfach her, man sieht einen ausgewählten Bibeltext für den heutigen Tag, genauer einen AT- und einen NT-Vers. Über zwei Reiter kann man zu den einzelnen Versen noch etwas Kontext lesen, nämlich das Kapitel, aus dem der jeweilige Vers stammt. Wer gerne Losungen liest, kommt schnell zurecht.

Für Theologiestudierende[1] gibt es dann noch einen echten Mehrwert, denn es lässt sich noch die Anzeige von Hebräisch und Griechisch auswählen, im Programm als Ursprachen bezeichnet.
ansicht-mit-ursprachenDie Programmoberfläche wir dann ergänzt durch die „Ursprachen“, was ich mir für das Frischhalten der Sprachen ziemlich gut vorstelle. Wenn man das Programm wirklich für diesen Zweck nutzt, dann wäre es sicherlich sinnvoll, wenn man temporär den deutschen Text ebenfalls ausblenden könnte. Während ich den griechischen Text durchaus gut lesen kann, fällt mir das Lesen des hebräischen Pendants wegen des verwendeten Schriftsatzes etwas schwer, ich bin es schlicht gewohnt, den SBL Zeichensatz (oder Ähnliches, vgl. BHS) zu lesen. Der hier verwendete Schriftsatz hindert mich dann eher beim Lesen. Evtl. ließe sich auch hier in einer zukünftigen Version eine Wahl des bevorzugten Schriftsatzes ermöglichen. Update: Ab Version 1.1 ist dieses Problem gelöst, denn es lässt sich jetzt auch eine Schriftart mit Serifen einstellen. Klasse!

Von der Oberfläche her hält sich Devotionalium an den aktuellen, minimalistischen Trend und bietet neben einem dunklen Thema, das besonders in dunklen Räumen die Augen schont, wenig Anpassungsmöglichkeiten. Der alte Mac-Freund Max hat sich beim Design an anderen Mac-Programmen und -Designrichtlinien orientiert, das wirkt also durchaus stimmig und passt sich gut in den Gesamt-Look des Systems ein – nichts ist schlimmer als ein gutes Programm, das nur schnell zusammengeklöppelt wirkt. Hier passt es und wer den Apple-Look mag, kann sich freuen.[2]
vollbild Ich arbeite gerne mit mehreren Monitoren und benutze deshalb auch gerne die Vollbildfunktion von OS X. Etwas schade ist, dass im Vollbild etwas viel Platz „verschwendet“ wird. Die Texte könnten dann auch gern nebeneinander angezeigt werden.

Als ich das Programm das erste Mal öffnete, war mir nicht ganz klar, was ich da vor mir habe, schließlich bin ich bekennender Nicht-Losungs-Leser, und wendete mich daher an Max, auf welcher Grundlage er die Texte auswählte:

Die Tagesverse von Devotionalium sind nicht die der bekannten Herrnhuter Losungen. Es sind interessante, zentrale oder spirituell verwertbare Bibelverse, die ich halbautomatisch zusammengemischt habe. Ich bin ja nur ein einzelner Typ, ich kann nicht für jeden Tag im Jahr Verse handverlesen. Deswegen sind AT- und NT-Vers auch meist nicht, wie bei den Losungen, inhaltlich aufeinander bezogen.

Wir haben es hier also mit einer ganz persönlichen Auswahl von Texten zu tun, einerseits wird mir dadurch zwar viel Arbeit abgenommen, andererseits wäre ein bisschen Transparenz doch ganz interessant. Welche Texte kommen noch, was wurde vielleicht ausgelassen? Was ist, wenn ich einen Vers aus den letzen Tagen noch einmal lesen möchte? Lobenswert: Die bevorzugte Bibelübersetzung lässt sich auswählen und sogar durch das Zefania-Projekt erweitern, das würde ich mir auch für die einzelnen Verse wünschen. Wer das Programm hauptsächlich fürs Übersetzen und nicht für die eigene Frömmigkeitspraxis einsetzen möchte, würde vielleicht hauptsächlich sogenannte „examensrelevante“ Texte lesen wollen oder sich einfach selbst einen Plan zusammenstellen.

Auch die Tatsache, dass es das Programm als vollwertiges Programm nur für OS X gibt, finde ich kritikwürdig, schließt es doch eine große Zahl von Studierenden aus – glücklicherweise gibt es ja auch eine Online-Version, die man im Browser öffnen und verwenden kann. Als Freund von offener Software bleibt dabei jedoch ein fader Beigeschmack.

Browser-Ansicht

Browser-Ansicht

Glücklicherweise gibt es aber genug Positives über dieses Ein-Mann-Projekt (!) zu sagen. Zum einen ist es bewundernswert, was Max für Liebe und Hingabe in diese Software investiert – was er da alleine auf die Beine gestellt hat, freut mich doch sehr. Es ist gut zu wissen, dass es in der Theologie auch Menschen gibt, denen die Bedienung von Technik und das Programmieren nicht fremd sind und die sich in dieser Welt auch wohlfühlen. Zum jetzigen Zeitpunkt funktioniert das Programm und die Website schon sehr gut und ist auf jeden Fall ein Ausprobieren wert. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was Max sich in Zukunft für Funktionen ausdenkt und freue mich, diese dann wieder zu testen.

Alle Screenshots des Programms und der Website habe ich mit der freundlichen Genehmigung von Max Melzer erstellt. Für die nahe Zukunft ist auch eine Version für iPhone und iPad geplant.


  1. Oder natürlich alle, die Hebräisch und Griechisch beherrschen.  ↩
  2. Ich persönlich bevorzuge als überzeugter Android-Nutzer natürlich viel eher die Richtlinien des Material Design von Google.  ↩

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