Moment mal: Glaubensalltag – in der Kindheit und heute

In meiner Kindheit habe ich immer abends vor dem Einschlafen gebetet. Davor hat mir mein Vater des Öfteren aus einer Kinderbibel Geschichten vorgelesen. Neben dem Erzählen haben die Bilder meine Phantasie angeregt, da ich mir vieles konkret ausmalen konnte. Danach legte er sich zu mir ans Bett und wartete bis ich eingeschlafen war.

Manchmal war er von der Arbeit so erledigt, dass er keinen Moment später in einen tiefen Schlaf fiel und dabei auch lautstark schnarchte. Da mein Vater 1,91 m groß ist, hatte ich Probleme aus dem Bett zu klettern und zu meiner Mutter zu gehen, da ich schlafen wollte. Und woran ich mich auch noch erinnere: Wir haben vor dem Essen gebetet. Verschiedene Gebetswürfel sorgten für Abwechslung.

Was ist von dieser kindlichen und auch alltäglichen Spiritualität übrig geblieben? Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine feste Spiritualität mehr im Alltag, außer am Wochenende im Gottesdienst. Klar, mein Glaube hat sich entwickelt. Er ist auch wie ich erwachsen geworden und anderen Herausforderungen ausgesetzt.

Dennoch. Ich bete und halte inne, lese in der Bibel und mache mir Gedanken zu meinem christlichen Glauben. Ähnlich wie als Kind. Aber wenn bei Freunden, Familie oder in der Arbeit viel los ist und ich voll gefordert bin oder auch überfordert bin, rückt meine Spiritualität manchmal in den Hintergrund und geht auch mal verloren. Da fühle ich mich wie mein Vater der am Abend vom Tag ermattet einschläft – nur: ich schaffe es nicht mehr zur Bibel.

Martin Luther hatte die Idee, in klarer und für jedermann verständlicher Form den Glauben und seine Grundsätze besonders in der Familie und im Alltag zu vergegenwärtigen. Dabei wurde bspw. der Kleine Katechismus auf Tafeln in den Haushalten aufgehängt. Dadurch beschäftigte man sich automatisch damit. Luther war davon überzeugt, dass christliche Theologie in das Leben hineingerichtet sein muss. Es geht nicht nur darum christliche Gedanken anzuhören oder zu sehen. Sondern ich muss selbst nachdenken und aktiv werden, damit mein Glaube lebendig werden kann.

Was ich auch sehr schön finde ist der Morgen- und Abendsegen sowie das jeweils dazugehörige Gebet von Luther. Den Gedanken sich bewusst zu machen, dass mich jemand den Tag behütet hat, sollte einen positiv stimmen und es wäre schade, wenn das im Alltagsstress untergehen würde.

Ich muss mir also bewusst überlegen, wann ich mir Zeit für meine Spiritualität nehme und das dann auch tun. Vielleicht kann ich täglich ein paar Verse aus der Bibel lesen oder immer am Morgen ein Gebet sprechen? Meine alte Kinderbibel steht zumindest bei mir im Regal und wenn ich Kinder haben sollte, werde ich trotz Ermüdung durch den Alltag danach greifen.

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