Religion und Anime Oder: Warum man kritisch fernsehen sollte
K ANIME (CC BY-SA 2.0)

Ich bin mir sicher, ihr habt alle mal einen Anime gesehen. Vielleicht kennt ihr das japanische Wort nicht. Eigentlich beschreibt es einfach nur eine Zeichentrickproduktion, umgangssprachlich steht es jedoch für die Umsetzung von Comicbüchern mit einem bestimmten, aus Japan kommenden Zeichenstil. Als ich klein war, gab es Sailor Moon, Pokémon, Dragon Ball und die tollen Fußballstars als Zeichentrickserie, heute sind es eher Yu-Gi-Oh, One Piece und Naruto.

Neben allen Anfragen (wie der Genderproblematik, der Idealisierung des Körpers in der spezifischen Darstellung, den mitschwingenden Ideologien, der ständig präsenten Kriegsmetaphorik und des zumeist geringen Wortschatzes, um nur einige zu nennen), die man kritisch an solche Zeichentrickserien richten kann, möchte ich mich einmal mit der theologischen Frage beschäftigen. Oder der Frage nach den Grenzen des Menschen.

Beispiel: Naruto beginnt als elternloser Jedermann, der in einem militärisch strukturierten Ninjadorf seine Bestimmung findet und binnen weniger Jahre die mächtigsten Personen und Monster seiner Zeit bekämpft. Durch hartes Training und Durchhaltevermögen verbessert er seine Techniken, bis er – man merke auf – auf dem Wasser laufen kann, sich selbst klonen, für sich kämpfende Monster beschwören, Energiebälle schleudern und schließlich sogar Energie aus der Umgebung für seine Attacken nutzen kann.

Beispiel: Tsubasa beginnt als Kind zweier getrennt lebender Elternteile, der einem Fußballclub beitritt und unter der Führung eines ehemaligen Fußballchampions brilliante Manöver und Balltechnik lernt. Durch hartes Training und Durchhaltevermögen verbessert er seine Techniken, bis er (ja, wie oben, nur etwas lebensnaher) die unmöglichsten Schüsse auf das Tor verwandelt und den japanischen Fußball international bekannt macht. Unmöglich, insofern er über mehrere Folgen mit angebrochenem Knöchel und blutend als Torschütze auf dem Feld bleibt, er einen Fußball durch pure Wucht zum Platzen bringt und er einen massiven gegnerischen Schuss nicht nur mit seinem lädierten Bein abfängt, sondern mit noch größerer Wucht übers komplette Feld direkt ins Tor schießt.

Was ich gut finde, ist dass (auch in den anderen erwähnten Serien) die Freundschaft zwischen den Hauptcharaktären oft betont wird und dass man vermittelt bekommt: Mit Fleiß und Übung kannst du es weit bringen.

Aber stimmt das? Wenn ich mir die Serien anschaue, heißt es eher: „Mit Fleiß, Übung und Freunden kannst du alles schaffen.“ Also wie ein Magier, nur ohne Magie, sondern „durch das Herz der Karten“, „mit der Kraft der Sterne“ und „mit meinem eigenen Willen“ oder durch das Essen der „Teufelsfrucht“.

Das wäre jetzt auch nicht so ärgerlich für mich. Harry Potter hat auch Zauber. Ärgerlich ist, dass die Stärken der Charaktäre immer stärker werden. Dass mit jedem größeren Gegner die eigene Attacke noch mächtiger ausfällt, die ihn besiegt. Dass neue Attacken erfunden werden, um den nächsten Kick beim Zuschauer zu erreichen.

Beispiel: Bei Dragon Ball und Naruto geht es am Anfang um ein Kind, das Kampfsport macht und etwas seltsam aussieht. Zum Ende der Serie werden regelmäßig Berge zerstört, um die Mächtigkeit der Attacken zu unterstreichen.

Nun zur offensichtlichen Frage: Was sucht ein anime-kritischer Artikel auf dieser Theologenseite? Tja, denkt mal über die Implikationen nach: Unbegrenztes Potential ist so ungefähr das göttliche Attribut. Wenn mein eigenes Potential keine Grenzen hat, wenn ich immer noch besser werden kann, wenn ich (wohlgemerkt: alles aus eigener Kraft, Raffinesse, oder wenigstens durch die richtigen Freunde) Welten zerstören und Tote lebendig machen kann – hat in solch einem Konstrukt Gott noch einen Raum?

Ich finde, damit muss man kritisch umgehen. Nicht, weil ich die Ideen von Problemüberwindung durch Training und Freundschaft schlecht finde, sondern weil das Streben nach Perfektion und der Glaube an die eigene Allmacht schon (literarisch wie historisch) zu oft im Desaster geendet ist.

Vielleicht mag ich deshalb eher tollpatschige und unvollkommene Heldengestalten wie Darkwing Duck und Zummi den Gummibären. Die müssen nicht alles können, denn wo etwas schief läuft, schreibt der Große Autor mit etwas Glück letztlich doch noch ein gutes Ende …

6 Kommentare anzeigen

  1. Christoph

    Hm. Als Mensch, der sehr gerne Anime verschiedener Genre schaut (und nicht die oben angegebenen auf RTL erscheinenden) möchte ich da meinen kleinen Senf zu geben.

    Animes unter den Gesichtspunkten christlicher Theologie zu betrachten, ist auf religionswissenschaftlicher Ebene eine eher schräge Herangehensweise.

    Als Produkt japanischer Kultur sind Animes viel mehr von ostasiatischen Religionen wie dem Shinto-Glauben oder dem Buddhismus beeinflusst, sowie den hochkomplexen japanischen Gesellschaftsbildern und -formen.

    Einen interessanten Einblick gibt:

    Franz Winter, Von Geistern, Dämonen und vom Ende der Welt. Religiöse Themen in der Manga-Literatur, EZW-Texte Heft 222: http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2834.php

    Eher skurille Animerezensionen unter „Berücksichtigung“ von „Theological Themes“:
    http://www.christiananime.net/reviews/caareviews.php
    (Der Autor dieses Kommentars distanziert sich hiermit von den Inhalten der obigen Seite….!)

  2. Jonathan

    Hmm. Danke für deinen Beitrag. Insbesondere find ich deine Linksammlung gut.
    Allerdings fühle ich mich missverstanden. Das beobachtete Phänomen bleibt nämlich und da aus europäisch-christlich geprägter Sicht drauf schauen scheint mir ehrlich gesagt keine ’schräge Herangehensweise‘. Ich kritisiere ja nicht, dass es in den Serien viele Götter-Wesen gibt oder so. Das wäre schräg. Mir ging es um die Herauskehrung der menschlichen Allmacht, erreichbar durch Training und Durchhaltevermögen, die ich in diesen Serien wahrnehme. (Vielleicht hab ich bisher eine schlechte Auswahl geschaut. Kann sein. Mir fallen aber direkt noch weitere Serien wie Sailor Moon und das nur indirekt erwähnte Bleach ein. Und ein Comic, der ‚all you need is kill‘ heißt und als Film dieses Jahr unter dem Titel ‚edge of tomorrow‘ prominent ins Kino kam.
    Ich glaube, die einzige Serie, die ich gesehen habe, die das nicht tut, ist die hochproblematische Selbstgerechtigkeitsgeschichte mit dem Titel ‚Death Note‘ …)

    • Sabrina Günter

      Hallo!

      Ich denke, was Christoph sagen wollte (auch wenn der Kommentar schon eineinhalb Jahre zurück liegt) ist, dass man den Japanern keinen Vorwurf machen kann, wenn sie daran glauben durch Fleiß und Konsequenz alles erreichen zu können. Wenn ihre Kultur und ihre Religionen das so vermitteln, dann ist das so. Man kann auch zum Beispiel Muslimen oder Juden nicht vorwerfen, wenn sie vielleicht ein anderes Gottverständnis als wir Christen haben.
      Bestimmt sind japanische Animes aufgrund des unterschiedlichen Kulturraums hier in Europa etwas ‚deplatziert‘ und ganz sicher kann man sie nicht für die Vermittlung christlicher Werte heranziehen. Aber dein Text liest sich wie ein Vorwurf und das ist auch nicht richtig, denn dieser Vorwurf entbehrt jeglicher Grundlage, eben weil die Serien aus einem ganz anderen Teil der Erde stammen. Japaner sind nicht verpflichtet unseren christlichen Vorstellungen zu entsprechen, ihr Markt liegt hauptsächlich in Japan und dort liegt ihre Pflicht. Das sie hier in Deutschland laufen ist auch der Nachfrage geschuldet. Noch weit vor Sailor Moon gab es Serien wie ‚Georgie‘, die wesentlich stärker an den europäischen Markt angepasst waren, fand ich. Aber wenn die Nachfrage für solche Serien hier sinkt, wieso sollten die Japaner sie weiter produzieren?
      Wir sollten die Serien einfach nicht schauen, wenn sie uns falsch vorkommen.
      Aber nicht alles muss moralischen Wert speziell für uns haben. Ich würde nicht auf die Idee kommen, dass mir die Möglichkeit ‚alles‘ zu erreichen Gott entbehrlich macht. Und jedem sollte klar sein, dass bestimmte Dinge auch über das Menschenmögliche hinaus gehen.
      Und: Anime-Serien sind ZUM GROßEN TEIL NICHT FÜR KINDER gemacht, sondern für Jugendliche und Erwachsene. Das vergessen viele in Deutschland. Und gerade von Erwachsenen kann man doch erwarten, dass sie den Unterschied zwischen Realität und Fiktion erkennen.
      Ich verstehe auch nicht, worin dein ‚Nutzen‘ von Gott liegt. Kann man ihn deiner Ansicht nach nur brauchen, wenn man unvollkommen ist? Glaubst du, dass, sollten Menschen tatsächlich in der Lage sein zu Zaubern oder dergleichen, sie Gottes überdrüssig werden? Wieso? Weil ER solche Dinge sonst ‚erledigt‘? Und weil die Menschen deshalb zu Gott beten, weil sie selber keine Wunder vollbringen können? Macht uns das nicht abhängig? Und macht es Gott im Umkehrschluss nicht auch abhängig? Uns, weil wir etwas von ihm wollen und IHN, weil er nur dadurch, dass er eben ‚Dinge‘ für uns tut, sich unseres Glaubens einigermaßen sicher sein kann? Hörst du auf an Gott zu glauben, wenn du zaubern kannst? Brauchst du Gott nicht mehr, wenn du zaubern kannst?
      Ich denke nicht, dass du die letzten beiden Fragen mit ‚ja‘ beantworten wirst, also, wovor hast du Angst? Davor, dass ein bißchen höfliches Verbeugen und Schuhe am Eingang ausziehen Christen vom Glauben abbringen kann? Davor, dass Animes anschauen dazu führt, dass Gott nicht mehr für dich ‚arbeitet‘, weil du vom Weg abgekommen bist?
      Wieso lehnst du dich nicht zurück und genießt Animes einfach als das, was sie sind: Ein Stück japanische Kultur :-)

      • Jonathan

        Wow.
        Anderthalb Jahre. Ich hatte den Artikel auf meiner inneren Arbeitsbank bereits zu den Akten gelegt.

        Danke für deine Antwort, Sabrina.
        Es freut mich, dass es Menschen gibt, die solches Filmmaterial (wie ich auch) mit viel Freude schauen und das zugeben.
        Ich hatte kurz den Impuls auf all deine Fragen zu antworten. Geht nicht, braucht zu lang, macht niemanden glücklich. Sind außerdem wirklich-wirklich viele Fragen.
        Es war kein Vorwurf in meinem Artikel beabsichtigt.
        Was mein Artikel bezwecken wollte: Über die theologische Komponente der Allmachtssuche in solcherlei Serien zum Nachdenken anregen. Mit meiner Meinung, zugegeben.
        Was ich nicht habe: Angst.

        Ich freue mich auf deinen ersten Artikel für theologiestudierende.de
        Grüße aus Berlin!

  3. Sebastian Schumacher

    Ich denke wir sollten den Gegensatz zwischen westlich und japanisch nicht überstrapazieren. Bei allen Unterschieden, die es gibt, sind doch Animes ebenso wie einzelne Religionen inzwischen Kulturphänomene, die Menschen auf der ganzen Welt beeinflussen. Massenmedien schaffen eigene Kulturen und prägen als solche Weltbilder, ob einem das nun gefällt oder nich. Vielen Animefans in Deutschland ist z.B. ein gelebtes Christentum ferner als einem christlichen Japaner, während ein deutscher buddhistischer Mönch sicherlich mehr über seine Religion zu sagen weiß, als ein religiös indifferenter japanischer Jugendlicher.

  4. Julian Bruckner

    Hallo!

    Ich habe den (schon etwas älteren, aber ein weiterhin wichtiges Thema ansprechenden) Artikel jetzt viermal aufmerksam durchgelesen, und mir die verknüpften Videos, welche dazu vorhanden sind, angesehen. Das Video mit der Zusammenfassung der Geschichte zwischen Naruto und Sasuke kannte ich zwar bereits, aber ich wollte es erneut gesehen haben, da es für die gesamte Bezugnahme auf den Artikel ja auch von Bedeutung ist, in welchem Zusammenhang es hier gezeigt wird.

    Die zentrale Frage zur Grenze des Menschen, welche auch für mich bedeutend ist, wird meiner Auffassung nach nicht angemessen mit dem Thema Anime in Verbindung gebracht, da beispielsweise in Naruto (ich werde mich in diesem Kommentar vor allem auf diesen Anime beziehen, da ich darüber die meisten Fachkenntnisse habe, und außerdem dieser neben Dragon Ball, soweit ich das wahrgenommen habe, im Fokus des Artikels steht) der gleichnamige Protagonist keineswegs unbegrenzte Kraft hat, was auch mehrfach in der Serie thematisiert wird. Der Umstand, dass die Macht von Naruto nicht unbegrenzt ist, sorgt beispielsweise dafür, dass er verschiedene Menschen nicht beschützen kann, und diese sterben.

    Außerdem sind mir eindeutige Mängel in der Zusammenfassung der Handlung aufgefallen. Ich möchte diese Mängel nicht bloßstellen, aber dennoch bestimmt ansprechen, da ansonsten meine nachfolgenden Ausführungen missverstanden werden könnten:

    Naruto ist nämlich keineswegs ein „Jedermann“, wie im Artikel erwähnt. Er trägt von Geburt an das schwere Schicksal, dass der sogenannte Neunschwänzige Fuchs in ihm versiegelt ist. Dies sorgt neben der Tatsache, dass er ohne Eltern aufwächst, für Identitätsprobleme, die sich beispielsweise darin zeigen, dass alle Mitschüler (bis auf einer) und sonstige Dorfbewohner ihn meiden, da sie sich vor ihm fürchten, und der Fuchs einst das Dorf zerstörte, weshalb sie ihm (ungerechterweise) die Schuld dafür geben. Dies ist eine nicht unbedeutende Auseinandersetzung mit der Frage des Schicksals – der Problematik, dass jemand mit Schwierigkeiten geboren wird, die er somit nicht verursacht hat, und der entstehenden Fragestellung, wie er dies überwinden kann.

    Des weiteren wird Konohagakure von Ihnen als „militärisch strukturiert[…]“ charakterisiert. Diese Formulierung ist inhaltlich streng genommen nicht falsch, weckt meiner Auffassung nach jedoch problematische Assoziationen, welche dahingehend sind, dass viel Disziplin existiere, eine strenge Rangordnung und auch Unterdrückung vorhanden sei. Tatsächlich ist trotz der Existenz eines Oberhauptes von Konoha, dem sogenannten Hokage, keineswegs eine starke Hierarchie vorhanden, und auch keine Unterdrückung. Die Menschen gehen innerhalb Konohas sehr friedlich miteinander um, und sind auch klar erkennbar bestrebt, dies außenpolitisch – soweit dieser Terminus hier passend ist – fortzuführen. Einzelne Vorkommnisse von Gewalt, die tatsächlich geschahen, und nun mal wie in der Realität nicht ganz unterdrückt werden können, werden mit dem erzählerischen Mitteln des Anime klar als negativ charakterisiert.

    Weiterhin werden die Techniken, bei denen es sich um physikalisch nicht mögliche Verhaltensweisen handelt, etwa dem Klonen oder dem schleudern von Energiebällen, angesprochen, und wenn ich Sie richtig verstanden habe, bezieht sich der Einschub „man merke auf“ gerade auch auf den ersten Punkt der Aufzählung, dem Laufen auf dem Wasser, und der gewissen Anstößigkeit im christlichen Kontext, da Jesus dies im Matthäusevangelium tut. In diesem Zusammenhang möchte ich eine allgemeine Frage zur Kunst, Ästhetik und Fiktion stellen, und zwar, ob die abnormal anmutenden Fähigkeiten von Naruto, wenn sie innerhalb des Kunstwerkes geschildert werden, so aufzufassen sind, dass der Urheber des Werkes ausdrücken will, Naruto hätte im Rahmen der Geschichte diese Fähigkeiten, oder, dass man auch hier – und das tue ich immer, wenn ich ein Kunstwerk betrachte, dessen Handlung über das natürlich-technische hinaus geht – die Geschichte interpretieren muss. Ein Energieball existiert nicht, aber er kann der Ausdruck von einer Stärke sein, die weit die bisherige übertrifft. Ich sehe hierin klar ästhetische Mittel und nicht den Anspruch, darzustellen, Naruto oder die anderen Shinobi hätten in der Geschichte diese Energiebälle im eigentlichen Sinne erzeugt. Auf die gleiche Weise kann man auch die anderen unnatürlichen Phänomene in Animes interpretieren, bzw. bin ich der Auffassung, dass dies für das Verständnis essenziell ist.

    Zuletzt möchte ich gerne noch die kritische Ansprache des „zumeist geringen Wortschatzes“ ansprechen. Dies ist eine Äußerung, die zumindest für Naruto nicht gültig ist, da es sich ganz deutlich von der Trivialliteratur abhebt. Ich möchte diesem Sachverhalt gerne mit zwei Zitaten begegnen: „Wenn Rache Gerechtigkeit ist, dann bringt Gerechtigkeit [ironisch-kritische Betonung des Wortes Gerechtigkeit] nur noch mehr Rache und wird zu einem endlosen Kreislauf des Hasses“ und als zweites Zitat „Es ist unwichtig, ob eine Leistung groß oder klein ist… Viel wichtiger ist, dass man das, was man macht, mit ganzem Herzen tut“. Ich verzichte, obwohl es mir etwas schwerfällt, nicht noch weiter zu zitieren, an dieser Stelle auf weitere Zitate, und verweise bei Interesse auf die einschlägigen Fan-Seiten, die häufig Sammlungen dieser Zitate enthalten.

    Im Zusammenhang zum ersten Zitat möchte ich gerne noch einen weiteren Punkt ansprechen, der Naruto (und viele Anime haben die gleiche Eigenschaft) von einem Großteil der Literatur, welche Gewalt und Hass thematisiert, abhebt, nämlich die Differenzierung der einzelnen Charaktere und deren Behandlung als menschliches Individuum. So erfährt man sehr häufig die Hintergrundgeschichte eines Antagonisten, dessen Beweggründe, lernt, ihn zu verstehen (ohne dabei mit ihm zu sympathisieren), und das naive Gut-Böse-Schema wird herausgefordert und hinterfragt. Auch Charaktere, die verschlossen, nervig oder anderweitig negativ wirken, ohne direkt ein Antagonist zu sein, werden auf diese Weise thematisiert.

    Abschließend noch ganz kurz zum Stichwort „Genderproblematik“: In Naruto wird eine Frau (Tsunade) Hokage, also oberste im Ninjadorf, und es gibt viele weibliche Ninja, die nicht auf ihr Geschlecht reduziert, sondern genauso differenziert charakterisiert und thematisiert werden. Das ist doch innovativ!

    In diesem Sinne hoffe ich, dass ich Ihnen das Thema Anime und speziell Naruto aus einer anderen Perspektive schildern konnte, und vielleicht damit auch einen Anlass dazu biete, sich dem Thema mal aufgeschlossen anzunehmen, also selbst ein Bild davon zu machen. Es ist eine interessante Erfahrung, die jedoch auch geistig herausfordert und Auseinandersetzung erfordert. Aber ganz sicher ist es keine einfache Zeichentrickserie.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Julian Bruckner

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