Moment mal: Schönheitsideale

In der vergangenen Woche fiel mir ein Foto auf Facebook auf von einer Frau, Taryn Brumfitt, die auf dem einen Foto stark durchtrainiert auf einem Wettkampf erscheint und auf dem anderen Bild – ich will nicht sagen fett, aber es ist einiges mehr davon an ihrem Körper zu sehen. Das Auffällige an dem Doppelbild ist, dass das Erstgenannte mit vorher und das Zweitgenannte mit nachher überschrieben ist. Dahinter verbirgt sich ein Trailer oder ein Aufruf für eine Dokumentation zu spenden. Sie will die Sicht auf die Frau verändern, was physiologisch eigentlich gar nicht so schlecht ist – die Frau ist nun mal der Organismus, der mehr Fett lagert als Muskeln – immerhin muss sie ja auch den Nachwuchs ernähren können.

Das Schönheitsideal von heute sagt aber was anderes. Und das Schönheitsideal ist leider das, nach dem sich viele richten. In dem Trailer bittet Taryn Brumfitt einige Frauen, ihren Körper mit einem Wort zu beschreiben. Dabei fällt sehr oft das Wort „disgusting“ – ekelhaft, abstoßend. Wie würde ich meinen Körper beschreiben? Ich selbst würde meinen Körper wohl als „big“ beschreiben, damit ist zum einen gesagt, dass ich groß bin, damit ist zum anderen dann auch gesagt, dass mein Körper an sich – naja – groß ist.

Ich war eine Zeit lang regelmäßig mit einem Freund im Fitnessstudio trainieren. Wenn ich mal zeitlich Probleme hatte die Regelmäßigkeit beizubehalten, kam früher oder später der „Motivationsspruch“: Komm schon, wenn du trainierst, wirst du auch wieder schlank und dann findest du auch eher wieder einen Partner. Dass das nicht zu dem erhofften Erfolg führte, brauch ich vermutlich nicht explizit zu erwähnen. Es führte eher dazu, dass er ein paar Tage einen großen Bogen um mich machte, weil er dann nicht von mir angezickt werden konnte.

Ähnliches geschah dann auch in meinem ersten Gespräch mit meiner Ernährungsberaterin beim Finden positiver Gedanken, die zur Abnahme motivieren. Ein Vorschlag meiner Ernährungsberaterin: wenn ich abnehme, bin ich wieder schlanker und attraktiver. Ich habe ihr erstmal meine Meinung gegeigt. Auch wenn ich nicht dem heutigen Schönheitsideal entspreche, heißt das doch nicht, dass ich nicht attraktiv bin!

Dennoch bin ich bei der Ernährungsberatung, dennoch bemühe ich mich abzunehmen. Ich fühle mich wohl wie ich bin, es nervt mich nur, dass ich schneller außer Atem bin, dass ich im Sommer schneller schwitze und dass ich in eine extra Abteilung bzw. in ein extra Geschäft gehen muss, um Kleider kaufen zu können, ich also nicht mit Freunden zusammen shoppen gehen kann. Ok, der Hauptgrund, warum ich mich jetzt mit einer Ernährungsberaterin bemühe abzunehmen ist, weil ich Pfarrerin werden will. Mein Land hat vor einiger Zeit die Hürde des BMI zur Verbeamtung hinzugefügt. Das habe finanzielle Gründe. Menschen mit einem gesunden BMI haben ein geringeres Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden, solange sie noch in einem arbeitsfähigen Alter sind. Dass ich mich, als ich das letzte Mal soviel wog, mit meinem Gewicht im Rahmen eines gesunden BMI, nicht wohl in meiner Haut gefühlt habe, ist dabei vollkommen egal. Fand ich mich damals schön? Nein, eher nicht. Es gibt kein Ideal der Schönheit. Man ist schön, wenn man sich selbst so fühlt.

2 Kommentare anzeigen

  1. HL

    „Schön“ auch dazu die Texte und Bilder im aktuellen MissyMagazin: „Fett for Fun“ :-)

  2. WTF es gibt eine BMI-Hürde zur Beamtung? Das ist ja ungeheuerlich! Aber rauchen und trinken darf man noch. Ich hätte irgendwie erwartet, die Kirchen stehen über sowas drüber …

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