Moment mal: Selber reden

Die dritte Woche innerhalb der „7 Wochen ohne” regt zum selber reden an. In der ersten Woche haben wir den Anfang im selber denken gemacht und Philipp hat uns aufgefordert „als Kinder des Lichts“ zu leben und uns unseres „eigenen Verstandes zu bedienen“. In der zweiten Woche haben wir selber gesucht und Max hat uns auf die Idee gebracht, mal neue Methoden im Studium anzuwenden und auf Hilfsmittel in der Exegese zu verzichten. In dieser Woche kommt es zum ersten Resultat der beiden voran gegangen Wochen.

Im selber denken haben wir begonnen Fragen (neu) zu stellen, im selber suchen haben wir begonnen Antworten auf diese Fragen zu finden. Der nächste Schritt ist es, die Ergebnisse kund zu tun. Auch das erfordert Mut. Was, wenn die für mich gefundenen Antworten vollkommen falsch sind? Was, wenn die für mich gefundenen Antworten schon allgemein bekannt sind? Werde ich für meine Antworten ausgelacht? Werde ich für meine Antworten gerügt? Werde ich für meine Antworten unverständig angeschaut? Hier schreibe ich mal als Theologiestudentin für Theologiestudent_Innen. Seid mutig und redet darüber, worüber ihr nachgedacht habt, was euch zum Suchen gebracht habt, was ihr gefunden habt, oder was ihr nur mit Hilfe finden könnt. Die Fragen oben habe ich mir alle mal im Laufe des Studiums gestellt. Zu Beginn des Studiums habe ich mich sehr selten zu Wort gemeldet, weil ich die Angst hatte, mich zu blamieren. Ich hatte Angst davor bloß gestellt zu werden, dass ich von nichts eine Ahnung habe, dass ich Fragen habe, deren Antwort für alle anderen selbstverständlich und Allgemeinwissen sind, dass ich mit Wortbeiträgen nichts bewirke, weil den Inhalt doch eh schon jeder weiß.

Es hat mich 8 Semester gekostet zu erfahren, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Nach 8 Semestern war ich Zeugin einer Diskussion und war schier am Verzweifeln. Die Diskussion kam partout nicht voran, weil ein mir offensichtlicher Aspekt überhaupt nicht zur Sprache kam. Ich wunderte mich, warum sie es überhaupt nicht ansprachen, da es doch so offensichtlich und überhaupt allgemein bekannt war. Irgendwann nach einer mir heute schier endlos erscheinenden Zeit habe ich mich dann zu Wort gemeldet und habe diesen Aspekt angesprochen und vorsichtig gefragt, warum der außen vor gelassen wird. Die zwei Diskutierenden schauten mich nur mit großen Augen an und dabei wurde mir klar: Was mir als offensichtlich erscheint, muss anderen nicht unbedingt so offen dar liegen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich auch im Studium getraut zu reden, habe mich in Seminaren an den Diskussionen beteiligt, habe in Übungen auf Textpassagen aufmerksam gemacht, habe in Vorlesungen Fragen gestellt. Immer wieder kommt es vor, dass es dabei zu einer Reaktion der Art „das habe ich ja noch gar nicht bedacht“ kommt. Was mir aufs Neue Mut gibt auch weiterhin selber zu reden.

Als Theologen ist es ein Teil unserer Aufgabe von Gott zu reden, dazu gehört aber auch mit Gott zu reden. Die Person, die diese Woche im Mittelpunkt des Bibeltextes für diese Woche steht, ist Hiob. Ein Mann, der mit Gott redet und das sehr mutig, er gibt Gott Widerworte. Nachdem Hiobs Freunde im ersten Redegang den Grund für Hiobs Leid bei Hiob gesucht und ihrer Meinung nach gefunden haben, kann Hiob nicht mehr an sich halten. Zu allem Leid, das er ertragen musste werfen ihm die Freunde jetzt auch noch vor selbst daran schuld zu sein. Hiob weiß, dass dem nicht so ist und fragt Gott, warum er derjenige ist, der leiden muss. Er geht mit Gott ins Gericht, er will sich nicht gefallen lassen, was mit ihm geschehen ist.

Ich habe selbst schon die Erfahrung gemacht, und ich denken, auch jeder von euch. Es gibt Situationen im Leben, da traut man sich nicht mehr den Mund aufzumachen, weil man Angst vor der Reaktion des anderen hat, weil der andere eine Autorität hat. Man schluckt herunter, was einem auf der Zunge liegt und nickt nur noch. Hiob traut sich Gott gegenüber den Mund auf zu machen, nicht zu schlucken, sondern selbst zu reden. Was bringen mir die Gedanken in meinem Kopf, sie belegen nur den Platz für neue Gedanken. Öffnet eure Münder und redet selber, wartet nicht, dass jemand anders für euch redet. Habt den Mut. Denn am Ende ist doch jedes Wort, das ich sage ein Gotteslob:

O, dass ich tausend Zungen hätte
und einen tausendfachen Mund,
so stimmt ich damit um die Wette
vom allertiefsten Herzensgrund
ein Loblied nach dem andern an
von dem, was Gott an mir getan.

 

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