Moment mal: Herab von euren hohen Rössern!

Für mehr Bescheidenheit im Theologiebetrieb

Die letzten Wochen vor Weihnachten waren dieses Mal für mich ein sehnliches Hin-Warten. Nicht etwa aufs Weihnachtsfest, das mit jedem Jahr mehr zur Routine wird, zunehmend entzaubert ist und dessen Geglitzer mich oft auch anstrengt. Ich habe mich gefreut, nicht in die Uni zu müssen.

Klar, nach anstrengenden Prüfungswochen habe ich mich auch immer gefreut, einfach mal Pause zu haben – aber darum ging es diesmal nicht, oder zumindest nicht nur.
Ich brauchte eine Pause von den Professoren, vom Wissenschafts-Geklüngel.

„Wenn Sie dieses Buch lesen, können Sie mal genauso erfolgreich werden wie ich!“

„XY hat in seinem Vortrag von mir gesprochen?! Wirklich? Da muss ich ihn gleich heute mal anrufen.“

„Und wie Sie sehen, es hat mir nicht geschadet“

Diese Sätze sind nur ein paar Beispiele für das, was in Vorlesungen der Theologie so fallen kann. Häufig mit einem ironischen Unterton, aber der Erfolg des Dozenten spielt häufig eine Rolle, die Bücher, die er geschrieben hat, seine neuen Ideen und Kontakte zu „wichtigen Leuten“, die er pflegt.

Das wirkt natürlich auch ansteckend auf einige Studierende. Fragt man, wie es an dem und dem Studienort sei, kriegt man als Antwort Namen von „Koryphäen“, die dort lehren. Fragt man nach, wer das sei: „ST-Professor. Kennt man.“ Klar.

Ich möchte natürlich nicht den ganzen Lehrkörper über einen Kamm scheren. Es gibt sehr bodenständige DozentInnen.

Aber einige möchte ich regelmäßig daran erinnern, dass sie Lutheraner sind, also vor niemanden dazu verpflichtet, sich zu beweisen. Und dann daran, dass sie sich in ihrer Sterblichkeit von niemanden unterscheiden. Daran, dass es doch gerade als Theologe angezeigt ist, sich in Bescheidenheit zu üben. Und schließlich: Dass sie sich in ihrer Einflussmöglichkeit maßlos überschätzen.

Die Welt da draußen hört die Theologen nicht mehr. Das war vielleicht einmal anders, als die Kirche noch eine wichtige, gesellschaftliche Größe war und die Theologie neben Medizin und Jura die wichtigste Fakultät. Man kann bedauern, dass das nicht mehr so ist und dass nur noch populärwissenschaftliche Stimmen wie Margot Käsmann wirklich eine Wirkung in der Öffentlichkeit haben. Aber so zu tun, als sei man immer noch von gleicher Bedeutung wie im 19. Jahrhundert, zeugt von Naivität und auch davon, dass man sich nur noch in seinen eigenen Kreisen bewegt und die Augen davor verschließt, wie wenig Gehör die Theologie eigentlich noch findet.

Ich möchte auch eine gute Theologiestudentin sein. Verschiedene Blickwinkel kennenlernen. Bücher lesen. Nur sind dabei die Namen, die auf dem Buchdeckel stehen, weniger wichtig. Ich versuche, ein Buch nicht deshalb gut zu finden, weil eine „Koryphäe“ es geschrieben hat. Und ein Professor beweist sich nicht dadurch, dass er in jeder Vorlesung über sich selbst spricht oder darüber, bei wem er zum Geburtstag eingeladen ist. Auf die Sache kommt es an! Sonst wird Vorlesung zum Darstellungs-Theater.
Statt eines Schlussworts, die 4. und 5. Strope von „Der Mond ist aufgegangen“:

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

P.S.: So. Nachdem ich nun all meinen Ärger bei euch losgeworden bin, kann ich da auch wieder hingehen. Mein nächster Artikel wird wieder sachlich, versprochen.

2 Kommentare anzeigen

  1. Hmm, bei solchen Profs geh ich selten zweimal in ne Veranstaltung. Kann aber auch nciht behaupten, daß mir das sonderlich oft begegnet ist. Ich war allerdings auch eher an kleineren Fakultäten, wo viele Koryphäen sich bald wieder wegbewerben…
    Nichtsdestotrotz hatte ich einige sehr gute Profs, von denen die meisten nicht abgehoben waren (der Rest hat mich wie gesagt selten gesehen, ich will ja was lernen und nicht wissen, für wie toll die sich halten, da les ich lieber deren Buch, wenn es denn wichtig sein sollte). Einer der „Koryphäen“ hat sich dabei auch oft selbst auf die Schippe genommen, legte aber großen Wert, mit Studenten auf Augenhöhe zu kommunizieren. Leider ist der schon emeritiert…

  2. Ela

    Sehr gut, Thea! Und leider gibt es genug Studierende, die mit auf diese Rösser steigen…

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