Moment mal: Eine kostspielige Angelegenheit
Der Petersdom in Rom. Foto: Public domain.

Die letzten Tage geisterte der katholische Bischof Tebartz-van Elst ununterbrochen durch die Nachrichten. Sein schickes, neu gebautes Diözesanzentrum in Limburg hat nun schon immerhin 31 Millionen Euro an Kirchengeldern verschlungen.

Vielleicht sollten wir Evangelische mal überdenken, warum wir darüber so empört sind. Sollten wir sogar dankbar sein?

Wir Protestanten könnten die ganze Sache lieber mit einem Augenzwinkern betrachten, wie der Tübinger Kirchenhistoriker Jürgen Kampmann: Er weist darauf hin, dass sich schon Martin Luthers Reformation in gewisser Weise an den Kosten eines Bauprojektes entzündet hat:

Der Petersdom in Rom. Foto: Public domain.

Der Petersdom in Rom. Foto: Public domain

Damals war es der Neubau des Petersdoms in Rom, der für die Kurie so unvorhergesehen teuer wurde, dass Papst Leo X. zur Beschaffung von Geld Johann Tetzel mit einer speziellen Ablasskampagne beauftragen musste. An dessen Methoden stieß sich wiederum der junge Wittenberger Theologieprofessor Martin Luther. Der Rest ist Geschichte.

Insofern bin ich über diese Prachtbauten der katholischen Kirche ganz froh. Ohne all diese bauwütigen Kirchenoberhäupter würde es unsere lutherische Kirche so vielleicht überhaupt nicht geben.

Und ganz nebenbei bemerkt kann ich mich an manch’ beindruckendem architektonischen Kunstwerk, das nun einmal gebaut wurde, einfach erfreuen – egal wie teuer es war. (Da gehört der Petersdom dazu, das Diözesanzentrum in Limburg eher weniger.)

5 Kommentare anzeigen

  1. Alexander Deeg

    Es ist lange bekannt gewesen, dass die Bauumsetzungen deutlich größere Summen verschlungen haben. In den vergangenen Jahren wurde dies gebilligt und die jeweiligen Gremien haben kaum etwas dagegen gesagt. Im Gegenteil – sogar gebilligt. Eine Verurteilung der Prachtbauten, die auf Kosten des Bischofs gehen, sind daher unangebracht.

    Im Unterschied zu öffentlichen Prachtbauten, wie der oben genannte Petersdom, ist der Großteil der Limburger Bauten nicht öffentlich, sondern für einen eingeschränkten Gesellschaftsteil vorbehalten. Dies sollte nicht vergessen werden.

    Ansonsten haben Sie einen recht netten Kommentar verfasst, Herr Melzer.

  2. Schleiermacher

    Lob vom Prof – dann wird’s wohl stimmen?!

    Ansonsten haben Sie einen recht netten Kommentar verfasst, Herr Deeg.

  3. Hans-Christian Bandholz

    Protestantinnen sind Sparfüchse? In einer kleinen Predigtanekdote hat sich meine Pfarrerin einmal dafür ausgesprochen, einen Abendmahlskelch, der ihr einmal begenete und aus Kostengründen eine Vase von IKEA war, vielleicht gegen einen würdigen Kelch einzutauschen. Messias salben oder Öl verkaufen? „Soll uns nichts heilig sein?“ War ihre Frage. Lasst uns den Diskurs um Limburg bitte nicht als trivial abtun und uns auch bitte nicht ausschließlich über unsere katholischen Schwestern und Brüder lustig machen. Klar hast du Recht, Max, dem ganze Fall ist mit Humor zu begegenen, aber eben auch mit Ernst. Imageschäden der Kirche werden nicht mehr konfessionell unterschieden. Vielmehr sollten wir uns über das Problem „Verschwendung“ nüchtern Gedanken machen und so Protestantismus klar in der Sache definieren: Was ist uns heilig?

    • Der bringt es sehr pointiert auf den Punkt: „Die Kirche hat ihr Geld sehr viel schöner verschwendet als die Banken.“

      Natürlich muss man das auch immer mit einem Augenzwinkern sehen.

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