Zwischen Theologie und Populärkultur – Im Gespräch mit Fabian Maysenhölder

Schon seit etwas über einem Jahr ist das Blog TheoPop online. Unter dem Untertitel „Blog für Religion und Popkultur“ beschäftigen sich seit Juni 2012 zwei Dozenten und ein paar Theologiestudentinnen und -studenten aus Tübingen mit der Schnittstelle zwischen Populärkultur und Religiosität – und da gibt es so einiges zu entdecken.

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Die Startseite von TheoPop

Unter der Rubrik „Fundstücke“ sammeln die Autoren Schnappschüsse aus dem Alltag mit religiösem Inhalt an unerwarteten Orten – von witzigen Stoßstangenaufklebern bis zum breakdancenden Jesus ist alles dabei.
Aber daneben gibt es auch immer wieder kluge Kommentare zu aktuellen popkulturellen Themen, die Religion oder Kirche –positiv oder kritisch – berühren.

Von der Übung zum Preisträger

Entstanden ist das Blog aus einer Übung an der Universität Tübingen zum Thema „Kirche im Web 2.0“. Nach Ende des Semesters führte Student Fabian Maysenhölder das Experiment weiter. „Für mich wurde es zu einem Hobby, in das ich auch wirklich viel Zeit hineininvestiert habe“, schreibt er.

Das TheoPop aber nicht nur ein einfaches Hobby-Projekt ist, zeigt die Auszeichnung mit dem bronzenen Webfish der EKD im April 2013. Fabian schreibt auf TheoPop: „Die Auszeichnung zeigt uns, dass [TheoPop] auf gute Resonanz stößt und eine wichtige, theologische Perspektive auf popkulturelle Phänomene eröffnet.“

„Was die Menschen wirklich glauben“

Die Beschäftigung mit der Populärkultur ist für Fabian aber nicht nur extrakurrikular, sondern auch theologisch relevant: „Wenn Theologie dort sein will, wo Menschen sind (und das sollten sie unbedingt!), dann geht das nicht, wenn man diesen Bereich ausspart. Da gibt es theologisch noch einiges zu betrachten.“

Tatsächlich haben die Tübinger Theologen mit TheoPop eine wichtige Nische gefüllt. Es gibt im Internet kaum brauchbare deutschsprachige Angebote zum Thema. In der Blog-Szene ist TheoPop einmalig. Zu seinen Vorbildern schreibt Fabian: „So richtige Vorbilder gibt’s glaub ich nicht, da (zumindest mir) keine Plattform bekannt ist, die in eine gleiche Richtung geht. Grundsätzlich sind aktive BloggerInnen ein Vorbild, die es schaffen, regelmäßig gehaltvollen Output zu bringen, ich denke z.B. an das Blog-Magazin juiced.de, das zwar thematisch ungebunden ist, aber dennoch klare Ausrichtungen hat und viele interessante Sachen bringt.“

Er hofft, mit TheoPop das Bewusstsein der Theologie für die Populärkultur zu stärken: „Die Popkultur kehrt, platt gesagt, gewissermaßen das Innerste des Menschen nach außen. Der Praktische Theologe Ingo Reuter hat das, finde ich, sehr gut formuliert. Er sagt: In der Popkultur ,zeigt sich, was die Menschen wirklich glauben, wovon sie träumen, was sie fürchten und woran sie ihr Herz hängen.‘ Das sollte, so finde ich zumindest, unbedingt interessieren.“

Mehr als nur eine Modeerscheinung

Der zweite Schritt ist für Fabian, dass die Kirche sich zunehmend einmischt. Und sich von der Popkultur abschaut, wie man Inhalte interessant und zeitgemäß verbreiten kann. Dabei warnt er jedoch davor, Inhalt und Form nicht zu verwechseln: „Von der Popkultur lernen soll nicht heißen, Inhalte preiszugeben.“

Besonders der Bereich der Sozialen Medien liegt ihm dabei am Herzen. Dem Einwand, das Social Web wäre nur ein „missionarisches Modethema“, widerspricht er energisch: „Unsere Lebenswelt verändert sich stetig und rapide, und da sollten wir als Kirche nicht hinterherhinken (und das hat nichts damit zu tun, auf irgendwelche ,modischen Züge‘ aufzuspringen).“

Im Moment organisiert Fabian TheoPop größtenteils im Alleingang. Es sei „ein Ein-Mann Projekt mit Gastbeiträgen“. Seine Antwort, wie es mit dem Blog weitergehen soll: „ Ich wünsche es mir eigentlich ein bisschen anders. Für (einmalige) Gastbeiträge zu allen möglichen passenden Themen bin ich natürlich immer offen, ich freue mich aber auch über zuverlässige, kompetente Nachwuchsautoren, die Interesse daran haben, bei TheoPop mitzuwirken und ihre Ideen mit einzubringen. Das ganze ist ja – dank neuer Medien – nicht auf Tübingen beschränkt.“

2 Kommentare anzeigen

  1. Na dann bedanke ich mich an dieser Stelle nochmal für den freundlichen Artikel! :-)

  2. Franziskus Rahteburg

    Hi,

    den Blog kannte ich bisher gar nicht! Das hat mir jetzt wirklich Lust gemacht noch tiefer in unsere Releigion abzutauchen.

    Habt Ihr noch mehr solcher Blogs auf Lager? Würde mich freuen wenn Ihr hier noch den ein oder anderen Vorstellen könntet gerne auch als Antwort hier im Blog.

    Grüße

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