Eine Studienbibel für alle – die „Offene Bibel“
Das Logo der Offenen Bibel (Quelle: http://www.offene-bibel.de)

Am Anfang meines Studiums habe ich ab und zu mit einem Kommilitonen gescherzt, wenn wir grad für den Hebräischsprachkurs Bibeltexte übersetzten, dass wir irgendwann unsere eigene Bibelübersetzung herausbringen werden, in eigenem Stil und eigener Sprache.

Leider (oder vielleicht auch zum Glück – unsere Übersetzungsgeschwindigkeit konnte nicht mit Martin Luther mithalten) haben wir diesen Plan nie in die Tat umgesetzt. Umso interessanter horchte ich auf, als ich vor wenigen Tagen irgendwo vom Projekt „Offene Bibel“ las, das wie ich meine, jedem Studierenden der Theologie bekannt sein sollte. Daher eine kurze Vorstellung des Projekts, soweit ich es schon überblicke.

Im Normalfall ist jede Bibelübersetzung, die man im Internet finden kann, urheberrechtlich geschützt. Egal ob bibelwissenschaft.de oder bibleserver.com – die Nutzung der zur Verfügung gestellten Bibeltexte ist außerhalb des privaten Gebrauchs nicht so einfach. Wer beispielsweise Texte von bibelwissenschaft.de auf seiner Website zitieren möchte, muss erst einen schriftlichen Antrag an die Deutsche Bibelgesellschaft schicken und sich das Ganze genehmigen lassen.

Ein paar Ausnahmen gibt es dann doch: So kann die Luther-Bibel 1912, die Elberfelder-Bibel 1905, und die Volxbibel frei genutzt werden. Allerdings hat jede dieser Bibeln natürlich ihre Schwächen, Luther- und Elberfelder-Bibel sind nicht auf dem neuesten Forschungsstand und die Volxbibel eine sehr freie Übertragung. Wer aber eine frei nutzbare Bibel sucht, die sich am neuesten Forschungsstand orientiert, muss etwas länger suchen, bis er dann auf das Projekt Offene-Bibel stößt. Aber was ist das überhaupt?

Das Logo der Offenen Bibel  (Quelle: http://www.offene-bibel.de)

Das Logo der Offenen Bibel (Quelle: http://www.offene-bibel.de)

  • „Offene Bibel“ ist ein Projekt, bei dem, ähnlich wie z.B. Wikipedia, jeder mitarbeiten kann und eigene Übersetzungen von Bibeltexten online stellen kann und darf.
  • Ziel ist es dabei vollständige Bibelversionen zu erstellen, die jedem zugänglich sind. Eine Studienfassung, in der sehr nah am Urtext übersetzt wird und versucht Strukturen und Formen der Ausgangssprache möglichst beizubehalten Eine Lesefassung, in der die Verständlichkeit im Deutschen im Fokus steht. So können zwei Fassungen nebeneinander gelesen werden, ohne, dass dabei die Verständlichkeit oder die Genauigkeit verloren gehen.
  • Die Bibelübersetzungen werden ständig dem aktuellen Forschungsstand angepasst, nach Qualitätskriterien überprüft und diskutiert.
  • Die Übersetzungen dürfen von jedem genutzt werden.

Nachdem ich das Projekt entdeckt hatte, meldete ich mich gleich mal an und probierte mich mal aus. Zu meiner letzten Proseminararbeit hatte ich eine sehr detaillierte Übersetzung erstellt und konnte so gleich mal ein paar Sachen eintragen und meine ersten Erfahrungen machen. Ich war erstaunt, wie schnell Reaktionen auf meine Beiträge geäußert wurden, hatte aber auch insgesamt den Eindruck, dass der Kreis der aktiven Mitwirkenden auf offene-bibel.de doch sehr überschaubar ist. Das liegt vielleicht auch an der anfänglichen (vielleicht auch dauerhaften, ich bin mir noch nicht so sicher) Unübersichtlichkeit der Seite.

Nichtsdestotrotz möchte ich das Projekt jedem*jeder ans Herzen legen und euch ermuntern die Übersetzungen, die während des Theologiestudiums zwangsläufig entstehen, der Allgemeinheit nicht vorzuenthalten. Das gilt natürlich besonders für die Studierenden der Theologie, aber noch viel mehr für Dozierende. Ich habe auch große Hoffnung, dass auch bei diesem Projekt die Schwarmintelligenz zu einem sehr guten Ergebnis führen kann und soll.

Auf www.offene-bibel.de kann man sich sehr unkompliziert registrieren und dann direkt losstarten. Ohne Scheu, es kann nichts schiefgehen!

5 Kommentare anzeigen

  1. Hey, vielen Dank für den Artikel. Freut mich sehr, dass dir die Idee der Offenen Bibel gefällt und du darüber etwas geschrieben hast.
    Die Benutzerfreundlichkeit/Übersichtlichkeit ist tatsächlich ein Problem, das dringend bearbeitet werden muss. Für Vorschläge wären wir übrigens dankbar. Besonders Erstnutzer können uns wichtige Tipps geben. ;)

  2. Die Volxbibel ist gar nicht so frei, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Die NC-Klausel der Creative-Commons-Lizenz verbietet die Verwendung in kommerziellem Kontext (z.B. den Einsatz auf werbefinanzierten Webseiten), man darf nicht mehr als 500 Seiten davon drucken, und die „Ausnahmen“ hinsichtlich der Veröffentlichung als gedrucktes Buch oder Hörbuch sowie zur Änderbarkeit sind nicht gerade eindeutig. Frei sieht anders aus.

  3. Michael Simon

    Ich finde es gut, dass sich bei der Bibel an die Originaltexte herangewagt wird, um eine bessere, griffigere, verständlichere, ‚richtigere‘ Übersetzung zu liefern. Entscheidend ist aber nicht, den Wortlaut ‚genau‘ zu treffen, sondern wichtig ist es, den Text in seinem Gesamtzusammenhang zu betrachten. Und da werden die Schwächen der Bibel überdeutlich. „Wir haben es bei den Schriften des AT und des NT mit antiken Texten zu tun, die mit unserer Zeit und unserer Gesellschaft nicht nur nichts mehr zu tun haben, sondern die an unzähligen Stellen elementaren Grundsätzen einer modernen und freiheitlichen Rechts- und Gesellschaftsordnung widersprechen. Viele Handlungsmuster und Prämissen der Bibel sind über weite Strecken für den heutigen Menschen nicht nur unbrauchbar geworden, die Bibel zeigt an vielen Stellen geradezu beispielhaft, wie man nicht handeln sollte.“ schreibt Dr. Heinz-Werner Kubitza in seinem Buch „Der Jesuswahn“, der evangelische Theologie studiert hat. Ich selbst bin getauft, konfirmiert, habe meine 1. Ehe evangelisch trauen lassen und bin vor einem Jahr aus der Kirche ausgetreten. Ich empfehle jedem Theologie-Studenten sich mit o. g. Buch zu befassen. Als Theologiestudent, als Pfarrer oder als Religionslehrer legt man den Schwerpunkt einseitig auf die Teile der sog. ‚Heiligen‘ Schrift, die einem in unserer zeit opportun erscheinen. Die gleichberechtigten, weniger erfreulichen Passagen hingegen, werden ignoriert und unter den Teppich gekehrt. Aber wer bestimmt, was unter den Teppich gehört bzw. in das grelle Licht der Kanzel gerückt werden soll? Bevor man sich auch beruflich zum christlichen Glauben bekennt, sollte man sich mit diesen Widersprüchen auseinandersetzen und diese nicht einfach ‚abtun‘. Ich hatte das jahrzehntelang getan, aber die Religionskriege der Vergangenheit und Gegenwart haben mir gezeigt, dass es vor allem die ‚unerwünschten‘ Stellen der heiligen Schriften sind, die menschen-verachtendes Verhalten erst möglich machen (vgl. hierzu auch „Der Schatten des Ostens: ‚Die Gewaltexzesse mordender Muslime hätten nichts mit dem Koran zu tun. Die heilige Schrift sei friedlich und voller Güte. Das ist falsch. Der Koran ist ein einziger Aufruf zur Gewalt, eine Anleitung für Krieg und Unterdrückung. Als ich das Buch las, war ich schockiert.‘ Eine Streitschrift von Andreas Thiel).

    • Lieber Michael,

      Du bist ja ein fleißiger Kommentator unserer Artikel hier. Was mir schwerfällt ist, deine langen Kommentare auch zu lesen. Deshalb hier mal ein zwei Hinweise 1) in der Kürze liegt die Würze 2) Absätze würden wirklich helfen.

      Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, einen eigenen Blog zu schreiben? Offensichtlich hast Du eine Menge zu sagen.

      Herzliche Grüße

      • Michael Simon

        Hallo Philipp,

        über einen eigenen Blog habe ich noch nicht nachgedacht. Wer würde sich schon dafür interessieren? Ich schreibe ganz gerne meine Kommentare bei Euch, um den Lesern hier auch andere Sichtweisen auf Eure Dinge zu ermöglichen. Meine Kommentare sind also Reaktionen auf Eure Beiträge. Ich überlege mir erst beim Lesen der Artikel, was man dazu noch sagen könnte. Eigene Beiträge als ‚Aktion‘ sind noch nicht in meinem Fokus.

        Liebe Grüße

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