Gehören Bekenntnis und Theologie zusammen?

Theologie an der Universität. Muss das sein?

Theologie hat einen festen Platz an deutschen Universitäten. Immer wieder kommen kritische Stimmen auf, die die religiöse Neutralität der staatlichen Universitäten verletzt sehen. Dazu ein paar Zeilen.

Schon lange parkt in unserem Redaktionsraum ein Artikel aus der Neuen Zürcher Zeitung vom Oktober 2012. Die letzte SETh-Vollversammlung gab mir den Anlass, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

In dem Artikel wird Frau Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr interviewt und fordert:

„Die Fakultäten sollten den Bekenntnisaspekt zurücknehmen“.

Welches Problem spricht sie damit an?

Konfessionszugehörigkeit

Zionskirche

Studieren nur mit Konfession? (Foto: Heye Jensen)

An theologischen Fakultäten sind Kirche und Staat keineswegs getrennt. Aus naiver Sicht mag das auch einleuchten – schließlich wird ja auch Theologie gelehrt. Man könnte ja denken, dass sowieso jeder Student oder jede Studentin einen (christlich) religiösen Hintergrund hat und nach dem Studium den Pfarrdienst antreten möchte. In unserem Studierendenalltag sieht es aber auch ganz anders aus. Natürlich möchten viele Studierende später im Pfarrdienst arbeiten und profitieren von der Vernetzung der Fakultäten mit den Landeskirchen – ein nicht zu vernachlässigender Teil der Studierenden studiert aber auch im Bachelor-, Diplom- oder Magisterstudiengang oder Theologie auf Lehramt und steht somit vor einer besonderen Herausforderung:

Frau Wohlrab-Sahr spricht ein wichtiges Problem an. Theologie abschließen – in welchem Studiengang auch immer – kann nur, wer einer evangelischen Kirche oder einer anderen Mitgliedskirche des ÖRK angehört. In meinen Augen ist das ein großes Problem, denn ich als Student muss mir immer wieder die Frage stellen, wie Theologie nach außen wirkt.

Berliner Dom

Wie präsentiert sich Kirche nach außen? (Foto: Heye Jensen)

Durch die Mitsprache der Kirche an den Fakultäten (bzw. bei den Studienabschlüssen) hat die Theologie unweigerlich eine Sonderstellung an der Universität. Wir als Studierende müssen uns darüber im klaren sein und uns entscheiden, wie wir die Theologie präsentieren wollen.

Wenn an der Konfessionsklausel festgehalten wird, wird diese Wirkung nach außen geschädigt. Dann präsentiert sich die Theologie auf einem hohen Ross, ein exklusiver Kreis von Studierenden. Dann werden wir weiter mit Vorurteilen zu kämpfen haben.

Der andere Fall

Wird die Konfessionsklausel abgeschafft, wird die Theologie als Wissenschaft gestärkt. Aus meiner Erfahrung bringen gerade die Studierenden, die Theologie mit „nicht-kirchlichem“ Hintergrund studieren, oft sehr produktive, weil kritische Nachfragen in die Seminare ein. Theologie fordert gerade dazu auf, über den eigenen Tellerrand zu sehen – sowohl bei Pfarramtsstudierenden als auch Studierenden in einem der anderen Abschlussziele.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Bei dem Abschluss des Studiengangs mit dem Ziel des Pfarramts ist eine Konfessionszugehörigkeit ein anderes Thema. Wenn die Kirche später Arbeitgeber wird, kann sie eine Konfessionszugehörigkeit verlangen.

Bei der SETh-Vollversammlung vom 24. – 26. Mai in Halle (Saale) wurde ein Schreiben verabschiedet, das genau dieses Thema behandelt. Das Schreiben ist hier verlinkt. Dort wird ein interessantes Argument in den Raum geworfen:

„Wir denken allerdings, dass hierbei eine Differenzierung zwischen Lehrenden und Lernenden notwendig ist: Wie im evangelischen Religionsunterricht auch sollte die Bekenntnisbindung nur von den Lehrenden eingefordert werden.“

Eine Unterscheidung zwischen Lehrenden und Lernenden stellt einen guten Kompromiss dar und könnte die Konfessionsklausel ablösen. Der kirchliche Einflluss würde nicht erheblich sinken und die Theologie als Wissenschaft gestärkt werden.

Theologie lernen

Theologie ließe sich auch ohne Konfession studieren (Foto: Heye Jensen)

Jeder oder jede Theologiestudent_in muss ja nur einmal das persönliche Umfeld betrachten und Reaktionen beobachten, wenn wir erzählen, was wir studieren. Teilweise ist es Ekel, Erstaunen oder schlicht Unverständnis. Ich denke, dass eine Abschaffung der Konfessionsklausel die Außenwirkung unseres Studiengangs verbessern und die Akzeptanz in der Gesellschaft stärken wird. Theologie muss sich nicht für sich selber schämen, sie muss selbstbewusst auftreten – das kann sie nur mit dem eigenen Selbstverständnis als Wissenschaft.

Es wird spannend wie die Stellungnahme des SETh in der nächsten Zeit aufgenommen wird. Das Team von theologiestudierende.de wird weiter berichten und weitere Stimmen zu Wort kommen lassen, um dieses Thema möglichst breit zu beleuchten.

Schlagwörter: , , , ,

5 Kommentare anzeigen

  1. Benjamin Krauß

    Ich fände es schön, wenn in dieser Debatte klarer gemacht wird, wer zum Theologiestudium zugelassen wird. Sowohl im Brief des SETh, als auch in diesem Artikel ist das nämlich undeutlich.
    Wie im Artikel richtig gesagt wurde „kann nur, wer einer evangelischen Kirche oder einer anderen Mitgliedskirche des ÖRK angehört“ evangelische Theologie an der Uni studieren.
    „Evangelische Kirche“ meint hier aber „Landeskirche“ und im ÖRK sind bei weitem nicht alle christlichen Kirchen vertreten. Das sind zum einen die Katholiken, aber auch etliche evangelikale oder pfingstlerische Gruppen.
    Da finde ich es schon dreist, die genauere Definition im Verlauf des Artikels auf die Dichotomie Christen/Nichtchristen herauslaufen zu lassen.

    Gerade den evangelikalen und pfingstlerischen Gruppen wird so oft vorgeworfen, sie verschlössen sich dem universitären Diskurs (was sicherlich auch teilweise stimmt), gleichzeitig werden Einzelpersonen, die die universitäre Theologie interessiert, ihrer Tradition aber treu bleiben möchten, vom Studium ausgeschlossen.

    So wichtig ich die Stimmen von Nichtchrist_Innen finde, liegt es mir doch am Herzen, christliche Geschwister in diesem Diskurs nicht noch weiter zu marginalisieren.

    • Jan Heitzer

      Das ist ein ganz richtiger Hinweis – stimme dir voll zu. Als wir die Stellungnahme geschrieben haben, war uns wohl etwas mehr die ostdeutsche Lage vor Augen, die zwar auch Freikirchen kennt, vor allem aber Konfessionslose en masse :) Auch gesamtgesellschaftlich sehe ich persönlich eher großen Bedarf beim Kontakt zu den säkularen Kräften, aber das soll nicht über die notwendigen ökumenischen Fragen hinwegtäuschen!

  2. Manuel Fetthauer

    Wirklich selten habe ich einen so schlecht recherchierten Artikel gesehen. Es fängt schon mit dem Eingangssatz an, der da lautet: „An theologischen Fakultäten sind Kirche und Staat keineswegs getrennt.“ Das ist staatskirchenrechtlich absoluter Nonsens. Natürlich sind auch im Bereich sog. res mixtae (Religionsunterricht, Militärseelsorge, Theol. Fakultäten) Staat und Kirche getrennt. Das fußt auf Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 1 WRV. Dem religiös-neutralen Staat ist es nun einmal verwehrt, bekenntnisgebundene Studiengänge einzusetzen (siehe hierzu das sog. Kamphaus Urteil des Bundesverfassungsgerichtes), über die Lehre eines Hochschullehrers zu entscheiden (siehe hierzu sog. Lüdemann-Entscheidung des BVerfG) oder sonst inhaltlich daran mitzuwirken. Die Konfessionsklausel hat einen festen Platz in den Ordnungen der theologischen Fakultäten und sollte ihn m.E. auch behalten. In der Vergangenheit gab es das Beispiel, dass eine Doktorandin der kath. Theologie gerne in der evangelischen Theologie ihr Rigorosum ablegen wollte, da bei „uns“ Kirchenrecht nicht als Fach zu prüfen ist. Der BGH hat dies – zurecht – abgelehnt. Wer Theologie studieren will und nicht zu einer Kirche gehört, hat genügend Möglichkeiten dies zu tun (Ecumenical studies – Uni Bonn; Intercultural theology – Uni Göttingen etc.). Interesse an Theologie kann auch außerhalb des klassichen Pfarramtstudienganges befriedigt werden.

    • Spassheide

      Auch wenn der Sachverhalt nicht korrekt wiedergegeben wurde ändert das nichts an der hier aufgezeigten Problematik. Kirche und Staat sind zwar getrennt. Trotzdem darf der Staat/das Land die Zeche zahlen und damit auch die mittlerweile 35% konfessionsfreien der Bevölkerung, die Karteileichen und die Andersgläubigen. An den mit öffentlichen Geldern und damit von der Gesamtbevölkerung finanzierten Universitäten sollte aber jeder mit entsprechender Qualifikation ein taufscheinunabhängiges Recht auf jeden angebotenen Abschluss haben können. Solche staatskirchenrechtlichen Altlasten riechen mittlerweile ziemlich muffig und sollten daher mal so langsam auf den Prüfstand kommen, da diese nicht mehr der heutigen gesellschaftlichen Situation gerecht werden. Auch wenn es staatskirchenrechtlich und höchstrichterlich abgesegnet ist.
      Man kann auch sagen, konfessionsgebundene Theologie an öffentlichen Unis brät im eigenen Saft. Ob das nach heutigen Maßstäben noch moralisch vertretbar und vor allem wissenschaftlich ist sei dahin gestellt. Für außenstehende wirkt das eher wie Pfründesicherung und lässt die Kirchen nicht wirklich glaubhafter erscheinen.

      Die Gesellschaft hat sich in den letzten 20…30 Jahren massiv verändert. Wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der der Kaiser das Oberhaupt irgendwelcher Kirchen war und die Adenauer-Ära ist auch schon längst Geschichte. Wenn die Kirchen selbst nicht mal ihre gesellschaftliche Position überdenken und – viel wichtiger – auch von sich aus bewegen, werden sie zu Recht den Ruch der verstaubten, nur auf eigenen Vorteil bedachten Institutionen nicht los und enden als belanglose Staffage für Familienfeiern. Und selbst da nehmen die Alternativen zu. Egal, wie sehr Grundgesetz und höchstrichterliche Entscheidungen ihnen den Rücken stärken.

  3. Sebastian Schumacher

    Manuel Fetthauer, Sie wissen doch wie der Autor das mit der Trennung oder Nichttrennung gemeint hat. Schon der Begriff „res mixta“ deutet doch darauf hin, dass sich hier staatliches Recht und kirchliches Recht berühren. Nicht mehr und nicht weniger sollte hier zum Ausdruck gebracht werden.
    Was die Konfessionsklausel angeht bin ich auch dafür, diese fallen zu lassen. Gerade Religionskritikern sollte es möglich sein, Theologie zu studieren. Wie oft wird kritischen „Laien“ wie Richard Dawkins vorgeworfen, sie hätten kein Recht zu ihrer Kritik, da sie keine Fachleute für Theologie seien. Menschen wie der inzwischen atheistische Doktor der Theologie Heinz-Werner Kubitza sind selten, weil sie ihre wahre Überzeugung bis Ende des Studiums verborgen oder zumindest überspielt haben. Hat die Theologie es nötig, solche Undercover-Atheisten zu produzieren?
    Nun, wenn Atheisten von vornherein nicht mitstudieren dürfen, dann wird der Dialog auf Augenhöhe schwierig, dann wird die Theologie zur gegen Kritik immunisierten Geheimwissenschaft der bereits Eingeweihten.
    Die Theologie-Professoren sind übrigens in einer komfortableren Lage als die Studenten. Da sie rechtlich betrachtet Beamte sind, ist der Dienstherr auch in der Pflicht, ihnen eine andere adäquate Position und Besoldung zu geben, sobald sie ihre Kirche verlassen und dadurch ihren Theologie-Lehrstuhl räumen müssen. Dann werden aus Theologie-Professoren kurzerhand Professoren für biblische Geschichte u.ä. Das finde ich toll, denn nur so wird Freiheit der Lehre gewahrt. Warum nicht soviel Freiheit für alle Beteiligten?

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.