Ich liebe diese Stadt – meine Gedanken zur SETh-VV in Halle (Saale)

Am Wochenende vom 24. bis 26. Mai traf sich der Studierendenrat Evangelische Theologie zu seiner Vollversammlung in Halle (Saale). Mit dabei, die Mitstreiter (lat. commilito, Kommilitone) der Bundesfachschaft Katholische Theologie. Nicht ich, der weder SEThi noch AGTler ist, mag über die Ergebnisse der teilweise gemeinsam durchgeführten Tagung berichten. Heye schreibt über seine Eindrücke von seiner ersten SETh-VV. Da dachte ich mir: Schreibst Du eben darüber, wie Du dieses SETh-Wochenende in Halle erlebt hast. Aus der Perspektive des „Gastgebers“ und im Vergleich zur Tagung drei Jahre zuvor am gleichen Ort.

Drei Jahre sind eine lange Zeit

Im Frühsommer 2010 beherbergte der Fachschaftsrat Theologie das letzte Mal den SETh in der Universitäts- und tollen Stadt Halle. Was hat sich seitdem verändert? Erstens, damals konnte man tatsächlich von Frühsommer sprechen, während es dieses Jahr kalt und ungemütlich war. Nach meiner Erinnerung nahmen vor drei Jahren auch ein paar mehr Basen (d.h. Studierendenkonvente oder Fachschaften) an der Tagung teil.

Lebhaft in meiner Erinnerung als Beobachter ist die nachmittägliche Gender-Diskussion. Dieses Jahr vernahm ich – gerade von Studentinnen – den Wunsch auf allzu viel Gegendere lieber zu verzichten, man fühle sich damit unwohl. Meine Meinung dazu in einem Satz: Solange es faktische Ungleichheit gibt, ist das Gendern eine tägliche Erinnerung an diesen Missstand und daher unverzichtbar; auch wenn es mir selbst in Text und Gespräch schwer fällt. (An dieser Stelle ein mea culpa für die ungegenderte Abendandacht am Freitag. Ehrlich, ich hatte es mir extra noch aufgeschrieben. Die Andacht könnt ihr übrigens hier nachlesen.)

Ansonsten ist vieles gleich geblieben. Nach den langen Sitzungen, spät am Abend, sitzt man nach wie vor bei Bier und Wein (manche auch, zu ihrem eigenen morgendlichen Überdruss, mit Tequila) beisammen. Das gegenseitige Kennenlernen der Delegierten und ihrer Herkunftsfakultäten oder Hochschulen steht zumindest zu Beginn im Vordergrund. So hört man einiges, von dem man sonst nichts gehört hätte. Wie es in Wuppertal oder in Bonn zurzeit zugeht, welcher Prof abgeht und welcher nervt. Natürlich ist da auch die Gruppe der SETh-Experten, durch lange Sitzungswochenenden gestählt. Ihren Gesprächen zu Beginn etwas abzugewinnen, ist schon eine kleine Herausforderung. Binnenvokabular und eingespielte Reaktionen erschweren naturgemäß den Dialog. Doch ich müsste lügen, wenn ich sagte, dass dies lange anhält. Letzten Endes handelt es sich bei den SEThis um sehr gesprächige Menschen.

Eine schöne Bereicherung des Wochenendes, und ein weiterer Unterschied zur Tagung 2010, war die Anwesenheit der katholischen Schwestern und Brüder. Sie gaben nicht nur Anlass und Zielscheibe ab für ein paar konfessionell gefärbte Witze und Tweets, sondern bereicherten die Tagung auch inhaltlich. Ihre Präsentation zur Sinus-Milieu-Studie am Samstagvormittag gereichte den Teilnehmern zu anhaltenden Diskussionen.

Halle, alte Musenstadt 

Es ist die Zeit gekommen, die Anführungszeichen um Gastgeber zu Beginn des Artikels zu erklären. Obgleich ich in Halle studiere, hatte ich persönlich nichts mit der Versorgung der Teilnehmer mit Essen, Trinken, Räumen und technischer Ausstattung zu tun. Da ich mich diesbezüglich aber auch nicht an unzufriedene Gesichter unter den SEThis und AGTlern erinnern kann, muss das wohl alles gut geklappt haben. Mein Beitrag beschränkte sich auf die Freitagabendandacht und die Stadtführung am Samstag. Beides eine Freude.

Dank Stefans Einladung konnte ich erneut mit dieser erstaunlichen „Gemeinde“ Andacht halten. Eine Kapelle voller Theologiestudierenden, die es im Zweifel besser wissen und können – oder wenigstens denken, sie wüssten und könnten es besser -, ist immer ne feine Sache. Ein Dankeschön an dieser Stelle an Sonja, die die musikalische Begleitung der Andacht am elektrifizierten Tasteninstrument sehr kurzfristig übernahm. Seht, die meisten Andachten, die wir uns um die Ohren blasen, haben in unseren Köpfen die Halbwertzeit von Freibier auf einem Festival. Doch auch wenn auf einer SETh-Tagung naturgemäß nicht viel mehr Zeit für Besinnung und Andacht sein kann, hoffe ich doch, dass gleich dem Biere auch die Andachten am Freitagabend und Samstagmorgen eine gewisse Wirkung hatten. Vielleicht schien ja durch die Andachten und die hallenser Gastfreundschaft allgemein etwas von einer „halleschen‟ Haltung durch, die den einen oder die andere dazu bewegt, ein paar Semester ihres Studiums in Halle zu verbringen. Herzlich Willkommen!

Die kurze Stadtführung führte uns aus den Franckeschen Stiftungen heraus zu einem der ältesten Wohntürme der Stadt in der Nähe des Eselsbrunnens.

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Der Eselsbrunnen
Foto: privat

Weiter schlenderten wir über den Marktplatz, der an diesem Wochenende eine Open-Air-Veranstaltung zum Deutschen Entwicklungstag beherbergte. Nach Hinweisen auf G.F. Händel, den Roten Turm, die Geschichte der Marktkirche und des Alten Rathauses bewegten wir uns in Richtung des Uniplatzes. Dort gab es ein paar abschließende Bemerkungen zur Unigeschichte – insbesondere zur alten Universitätskirche und den Bücherverbrennungen im Mai 1933. Das war alles, was wir in einer dreiviertel Stunde erlaufen konnten. Darum blieben uns der historische Stadtgottesacker, wie auch die Moritzburg und der Dom zu Halle versagt. (Das während der Führung angesprochene Video mit Aufnahmen des unsanierten Halles findet ihr hier. Für alle sachlichen Fehler entschuldige ich mich; es kann aber auch keiner der TeilnehmerInnen behaupten, ich hätte sie nicht gewarnt.)

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Auf dem Uniplatz
Foto: privat

tl;dr

Es hat Spaß gemacht mit Euch SEThis und AGTlern. Schade, dass auf Grund des EKM-Studierendenkonvents auf Kloster Donndorf so wenige hallenser KommilitonInnen da waren. Der Herr erhalte Euch eure Betriebsamkeit. Auch der SETh braucht immer Nachwuchs, also engagier Dich! Auf baldiges Wiedersehen in Halle oder anderswo.

Hier noch ein Video zum Abschluss:

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