Zwischen Blockflötenkreis und Heavy-Metal
Das Leipziger Schallarchiv (Foto: Stefan Körner)

Das Schallarchiv bei der Theologischen Fakultät Leipzig

Das Leipziger Schallarchiv (Foto: Stefan Körner)

Das Leipziger Schallarchiv (Foto: Stefan Körner)

Im hintersten Winkel der Leipziger Theologischen Fakultät befindet sich die größte Sammlung christlicher Popularmusik: Das Schallarchiv. Seit Anfang Oktober lagert dieser Schatz nun in unseren heiligen Hallen. Doch, wo kommt er her? Wie kommt er zu uns? Und was machen wir damit überhaupt? Um diese Fragen zu beantworten, muss man an den Anfang zurück spulen.

Am 14. September 1992 wird in Löptin, einem 300-Seelen-Dorf bei Kiel, durch die „Arbeitsgemeinschaft Musik“ des Bundesverbandes Kulturarbeit in der evangelischen Jugend e.V. (bka) das Schallarchiv gegründet. Da es aber völlig unbekannt und abgeschieden liegt, interessiert das Archiv nur wenige.

Der Bestand zu dieser Zeit wird aus zwei großen Quellen aufgebaut: Zum einen durch Spenden aus Privatbesitz, zum anderen aus Spenden des Evangelischen Rundfunks (ERF), der zu dieser Zeit von Kassetten auf CDs umsteigt. Mit dem Archiv sollte eine Anlaufstelle für Forschung und Publikation, die damals noch sehr eingeschränkt war, geschaffen werden.

2003 wird dann das Archiv nach Leipzig in die Kellerräume des damaligen Vorsitzenden der bka und heutigen Bundestagsabgeordneten Thomas Feist überführt. Dieser macht sich auf die Suche nach einem besseren Verwendungszweck für das Archiv und trifft bei einer Zugfahrt auf den Dekan der Theologischen Fakultät Prof. Klaus Fitschen. Und so wird zusammen mit dem Leiter des Liturgiewissenschaftlichen Instituts der VELKD (Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands), Prof. Alexander Deeg, bei der Theologischen Fakultät Leipzig der Plan geschmiedet, das Archiv in das Institut zu integrieren.

Foto: Stefan Körner

Foto: Stefan Körner

Durch die VELKD wird auch die Stelle des wissenschaftlichen Mitarbeiters Stefan Körner finanziert. Dieser nennt mögliche Forschungsthemen des Archivs:

Es sind die Fragen: Können wir populäre Musik in der Kirche spielen? Welche Texte werden transportiert? Wie ist das Text-Musik-Verhältnis, also welche Wirkung hat ein Text, wenn er vom Blockflötenkreis gespielt wird und welche, wenn ihn eine Heavy-Metal-Band interpretiert? Wie stark werden Texte verkürzt oder konzentriert und wie präsent sind biblische Texte? Außerdem geht es auch um die christliche Popularmusik an sich: Ist es ein eigenes Genre? Wo ziehen wir die Grenzen, wenn auch bekannte Musiker wie Johnny Cash und Cliff Richards christliche Texte singen?

Ein weites Wissenschaftsfeld, welches bisher kaum erforscht ist. In Zukunft soll das Archiv noch weiter ausgebaut werden. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf historischem Material der DDR. Da die Publikationsmöglichkeiten damals sehr eingeschränkt waren, steht die Sammlung seltener Aufnahmen im Vordergrund. Besonders wertvoll sind Aufnahmen von ganzen Gottesdiensten oder Konzerten, die nicht nur die Musik, sondern auch die Atmosphäre wiedergeben. Fünfzig Prozent der Sammlung ist deutsche Musik, es gibt aber auch exotische Sammlungsstücke aus Thailand oder Bangladesch. Zukünftig sollen die Bestände außerdem digitalisiert werden, damit man über einen Online-Katalog darauf zugreifen kann.

Bis dahin kann das Schallarchiv jede Woche am Dienstag und Donnerstag von 10 bis 17 Uhr und am Mittwoch von 9 bis 14 Uhr besucht werden. Material für Magister-, Examens- oder Doktorarbeiten findet man hier reichlich!

Weitere Informationen:
www.velkd.de/leipzig
www.facebook.com/Schallarchiv

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im TheMa – dem Theologischen Magazin von Theologiestudierenden an der Uni Leipzig

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3 Kommentare anzeigen

  1. Severin

    Hi,
    Ich suche im Rahmen eines Film Projektes einen Theologen der sich irgendwie mal mit metal beschäftigt hat und eventuell ein paar Sätze sagen könnte eventuell was Religion und metal gemeinsam haben oder ähnliches! Für weitere infos mail an severinkroeger@gmx.de

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