Let it go – von der Kunst des Vertrauens
Foto: Nick Wilkes (gemeinfrei)

Vor einer Woche war ich sehr stolz auf mich: Ich machte mich auf den Weg um mich mit meiner 6 Wochen alten Tochter in eine Vorlesung zu setzen. Angesichts des wieder aufkommenden oder auch nie enden wollenden aktuellen Themas um Terrorismus kam mir die Vorlesung „Politik und Religion“ gerade recht.

Studieren mit Hürden

Als ich wie immer etwas zu spät ankam, war der Vorlesungssaal fast voll. Nur in der ersten Reihe gab es noch ein Plätzchen. Ich versuchte mich also möglichst unauffällig in die erste Reihe zu begeben. Doch meine kleine Tochter meinte, dass ihr nun zu langweilig sei und wachte auf. Kurz darauf meinte sie, sich gewaltig erleichtern zu müssen. Weitere fünf Minuten später stellte sich das Ausmaß dessen heraus, als ich feststellen musste, dass sie bis zum Hals voll war und anfing zu stinken. Ich stand also wieder auf. Leider hatte ich keine Wechselsachen mit. Wie das auch typisch ist in solchen Situationen.

Glücklicherweise gab es im Pausenraum eine Babydecke. Ich zog sie also komplett aus und wickelte sie in die Decke ein. Nun ging es wieder in die Vorlesung. Doch ich schaffte es wieder nur fünf Minuten, da wollte die Kleine trinken. Ich also wieder raus, später wieder rein. Wie unangenehm. So auffallen wollte ich gar nicht.

Doch was will man machen, kontrollieren kann man solche Situationen nicht. Man muss sich darauf einlassen, etwas geschieht, ohne dass man es beeinflussen kann. Erleben wir nicht oft genug Situationen in unserem Leben, die uns unangenehm sind, die uns nerven? Situationen, in denen uns etwas Peinliches geschieht, Situationen, die eine unerwartete Wende in unser Leben bringen, Situationen, die uns aus der Bahn werfen, sei es positiver oder negativer Art?

Wie gehen wir damit um, wenn tragische Dinge in unserem Leben passieren? Wenn jemand stirbt, der uns sehr nahe steht. Wenn wir an einer unheilbaren Krankheit erkranken. Wenn die Liebe unseres Lebens uns verlässt? Oder wenn Terroristen unsere heile Welt attackieren? Wie gehen wir damit um? Geben wir Gott die Schuld? Fragen wir ihn, wie er so etwas zulassen konnte? Ist er ein liebender Gott? Oder doch kein so allmächtiger Gott, wie wir uns das immer so ausmalen?

Vielleicht fällt uns Vertrauen sehr schwer. Aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht war unser Vater kein guter Vater oder unsere Mutter keine so gute Mutter. Oder vielleicht wurden wir oft enttäuscht oder vielleicht haben wir auch das Gefühl, dass nur wir allein selbst unseres Glückes Schmied sind. Vielleicht dieses, vielleicht auch jenes. Fakt ist und bleibt: Es fällt uns mitunter sehr schwer zu vertrauen. Und dann noch an jemanden, den man nicht leibhaftig sehen kann. Den man nur mit dem Herzen sieht. An jemanden, an den man glauben muss. Ich vertraue jemandem, der vor über 2000 Jahren am Kreuz gestorben und scheinbar wieder auferstanden ist. Das klingt für manche Ohren doch sehr verrückt. Lieber würde ich mein Leben selbst kontrollieren, selbst in die Hand nehmen und dafür sorgen, dass es genauso läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Doch schon in meinen jungen Jahren muss ich mir eingestehen, dass es meist gar nicht so läuft wie ich das mal geplant habe. Das Leben ist mitunter anders als ich es mir als 14-jähriges Teeniemädchen vorgestellt habe.

Das Geheimnis des Loslassens

In Psalm 37,5 steht dieser schöne Vers: „Vertrau dich dem Herr an und sorge dich nicht um deine Zukunft! Überlass sie Gott, er wird es richtig machen.

Was bleibt mir anderes übrig, als zu vertrauen? Ich kann das Leben nicht kontrollieren. Es macht mitunter mit einem was man will. Das Geheimnis ist loszulassen. Mein Leben in die Hand eines Gottes zu legen an den ich glaube. Das nächste Mal werde ich aber trotzdem mit Wechselsachen für das Baby und einer Handvoll Windeln eine Vorlesung betreten.

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