Oh Herr rette uns! – Superman Returns
Bild von Carl Bloch – Illustration von Max Melzer
Bild von Carl Bloch – Illustration von Max Melzer

Bild von Carl Bloch – Illustration von Max Melzer

Ein paar Anmerkungen vorneweg:
1. Dieser Eintrag enthält Spoiler. Für diejenigen, die den Begriff nicht kennen: Ich werde alles verraten, was in dem Film vorkommt, wie er endet, wer stirbt oder auch nicht stirbt und alles andere Interessante, solange es mir mit meiner Analyse weiterhilft. Wenn ihr den Film also noch nicht gesehen habt und noch sehen wollt, wäre hier die perfekte Stelle wegzuklicken und eventuell später wiederzukommen. Okay? Okay!

2. Dieser Eintrag beschäftigt sich näher mit Superman, wie er in dem Film Superman Returns dargestellt wird. Alle Aussagen, die hier über Superman gemacht werden, beziehen sich lediglich auf den Film. Wenn jemand etwas über ihn in anderen Medien zu sagen weiß: ich bin immer interessiert.

3. Meine Blickweise ist spezifisch theologisch/ nach theologischen Themen suchend. Es ist nicht die einzige Interpretation die man haben kann und macht auch keine Aussage über die Qualität des Films. Ich habe einfach nur meinen Spaß.

Die Jesus-Methapher

Ich habe Superman Returns das erste Mal gesehen als der Film 2006 herauskam. Ich war 16 – noch weit entfernt vom Theologiestudium, noch weit entfernt davon, hinter jeder Ecke irgendein tiefgründiges Thema zu sehen. Ich bin aus dem Film rausgegangen und dachte mir: „Meine Güte, da haben sie aber dick aufgetragen mit dem Jesusvergleich.“ Wie bin ich darauf gekommen?

Nun dafür gibt es einige Gründe: Das hier ist einer der ersten Sätze, die im Film fallen, noch vor der Titelmelodie:

„Du wirst meine Kraft zu deiner eigenen machen, du wirst mein Leben durch deine Augen sehen, so wie ich dein Leben durch meine sehe. Aus dem Sohn wird der Vater und aus dem Vater wird der Sohn“.

Nun so ein Anfang gibt einem Film schon ein gewisses Vorzeichen – quasi einen ersten Eindruck. Im Laufe des Films redet Supermans Vater noch einmal zu ihm:

„Die Menschen haben den Wunsch besser zu sein als sie sind, ihnen fehlt nur das Licht, dass ihnen den Weg weist […] deswegen habe ich dich zu ihnen gesandt, meinen einzigen Sohn.“

Das nehme man wie man will. Zu dieser Einschätzung Supermans als Licht dieser Welt kommt noch die Frage: Braucht die Welt Superman? (Antwort: Ja natürlich) Ein Superman der im All schwebt auf die Erde herabschaut, bereit jeden zu retten der Hilfe braucht. Außerdem opfert er sich selbst und setzt sich dem einzigen Material aus, das ihn zerstören kann (Kryptonit) nur um die Welt zu retten. Sein Gegenspieler, Lex Luthor identifiziert sich mit Prometheus, denjenigen der sich mit den Göttern anlegt. Ja ich weiß, falsche Mythologie, aber es legt die Fährte zu einem göttlichen guten Wesen, dass den Menschen helfen möchte. Ist also Superman eine Jesusmetapher? Kann man sagen, so wie Superman die Welt rettet, so rettet Jesus die Menschen? Jesus als Superheld?

Ist das alles so einfach?

Die kurze Antwort: Nein kann man nicht. Also können schon, aber der Vergleich würde hinken. Für die lange Antwort muss ich ein bisschen ausholen.

Doch vorher kurz nochmal zur Erinnerung. Superman kehrt nach 5 Jahren von einem Ausflug zu seinem Heimatplaneten zurück und stellt fest, dass sich in seiner Abwesenheit eine Menge verändert hat. Lois ist verheiratet, hat ein Kind (ein 5 Jahre altes Kind) und schreibt Artikel zum Thema „Warum die Welt Superman nicht braucht“. Erzfeind Lex Luthor hat sich mal wieder der Gerechtigkeit entzogen und plant mit Hilfe eines Kristalls einen Kontinent wachsen zu lassen, wobei Millionen von Menschen sterben würden. Das Problem: Lex hat den Kontinent mit Kryptonit versetzt, aber zum Schluss kann Superman ihn doch ins Weltall schleudern, wobei er aber fast stirbt und von den Ärzten gerettet werden muss. Zum Schluss verabschiedet er sich von seinem Sohn (dem er die Rede vom Anfang hält) und wird wieder Superheld / bleibt Superheld / lässt Lois ihre Familie. Lois schreibt einen Artikel zum Thema: „Warum die Welt Superman braucht“.

Auf was für eine Erfahrung reagiert eine Geschichte wie Superman? Doch auf die Grunderkenntnis, dass diese Welt kein Ort ist, wo die ganze Zeit Friede, Freude und Eierkuchen herrschen. Es gibt Gewalt, Übel und Ungerechtigkeit. Die Starken gewinnen, die Schwachen verlieren. Das finden wir nicht gut. Wie schön wäre es, wenn endlich mal einer auf den Tisch haut und klar Schiff macht? Wenn es jemanden gäbe, der endlich die Weltprobleme löst (und je nachdem ob man sich mit Superman identifiziert, löse ich sie selbst) Mit diesem Gefühl arbeitet Superman. Diesen Wunsch nach jemandem, der über der Welt schwebt und zur Stelle ist, wenn die Bremsen versagen, das Flugzeug abstürzt, oder wenn Lex Luthor einen Kontinent erschafft. Die Rettungsbedürftige Welt schreit um Hilfe und jemand kommt. Er kommt mit Pauken und Trompeten, bereit sich zu opfern wenn es sein muss und die Welt schaut gebannt zu.

Es gibt aber noch eine weitere Grundvorstellung: Die Menschen sind an sich gut. Es gibt einige, die vom Weg abgekommen sind und einige, die wirklich moralisch verwerflich sind, aber die große Masse ist gut, oder bemüht sich wenigstens gut zu sein. Sie brauchen nur jemanden, der sie leitet. Superman, der Retter, ermöglicht es, gut zu sein, weil er es mit den Menschen aufnimmt, die Böse sind und die anderen bedrohen.

Was für Probleme löst Superman denn nun? Äußere Probleme. Er fängt abstürzende Flugzeuge, er stoppt Autos, dessen Bremsen versagen und er besiegt die Superbösewichte, die die bestehende Ordnung zu zerstören suchen. Er ist ein Held, der die Probleme mit Gewalt löst. Superman mag vielleicht niemanden töten, aber zusammenschlagen steht auf einem ganz anderen Blatt.

Es stimmt, Superman riskiert sein Leben für die Menschen, indem er sich dem für ihn tödlichen Kryptonit aussetzt, aber auch das bleibt äußerlich. Bei Superman ist nicht die Menschheit als solche verantwortlich, dass Gefahr existiert, sondern ein einzelner, der dafür zur Verantwortung gezogen werden kann. Das Böse liegt nicht in uns, sondern außerhalb. Der Rest der Welt jubelt Superman zu und bangt um ihn, rettet ihn, wenn er in Lebensgefahr schwebt. Er ist ein strahlender Held, ein „militärischer“ Anführer, der durch Gewalt die Welt rettet.

Aber das Problem mit Jesus war immer schon, das er genau das nicht ist.

Schlagwörter: , , ,

6 Kommentare anzeigen

  1. Der Skeptiker

    „Du wirst meine Kraft zu deiner eigenen machen, du wirst mein Leben durch deine Augen sehen, so wie ich dein Leben durch meine sehe. Aus dem Sohn wird der Vater und aus dem Vater wird der Sohn“.

    Wo ist hier denn bitte die Jesusmetapher?

    • Elisabeth Koppehl

      Hi, danke für deinen Kommentar :-). Dieses Zitat erinnert mich vor allem mit seiner Vater/Sohn Thematik an Jesus. Es ist nicht ganz exakt dasselbe, aber es gibt z.B. solche Sätze wie „Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso der Sohn“ oder „Ich (das wäre der Sohn) und der Vater sind eins“. Da wird eine Einheit zwischen Vater und Sohn aufgebaut, die über bloßes Erbe hinweggeht und zu einer Wechselbeziehung wird, und daran erinnert meiner Meinung nach auch das oben genannte Zitat. Vor allem weil es mit einem kosmischen Ereignis einhergeht (ja ich weiß Krypton explodiert in dem Moment, ist also eher Zerstörung als Schöpfung, aber es hat mich ein bisschen an den Urknall erninnert.) Muss man nicht so sehen, aber mir geht es so.

  2. Frank Töpfer

    wie will man denn auch ein Auto ohne die einwirkung irgendwelcher Kraft aufhalten, dass keine Bremsen mehr hat? ich finde deine analyse ein wenig überzuckert, bisschen viel aufriss für nen einfachen unterhaltsfilm, aber vielleicht ist es ja das was du meinst wenn du schreibst “ Ich war 16 – noch weit entfernt vom Theologiestudium, noch weit entfernt davon, hinter jeder Ecke irgendein tiefgründiges Thema zu sehen. “

    das ist vielleicht dein (euer) problem als theologen, dass ihr immer denkt hinter der sache steht noch ne sache und immer so weiter, statt euch mit dem wirklichen menscneh und seinem problem zu beschäftigen

    • Tim Wendorff

      Stimmt. Das ist vielleicht unser Problem als Theologen, dass wir alles durch die Theologenbrille sehen. Das muss man nicht tun, man darf den Film sicher auch als Unterhaltungsfilm ohne Bezug zu religiöser Bildersprache betrachten und daran seine Spaß haben. Und dass wirkliche Menschen oft ganz andere Probleme haben als Superman, das ist auch klar.
      Aber dieser Artikel steht nicht im Kinomagazin, sondern auf theologiestudierende.de und darum finde ich die Theologen-Brille auch ganz in Ordnung. Ob die Christusbezüge im Film Absicht sind oder von Elisabeth da reininterpretiert wurden, das wissen wohl nur Drehbuchautor und Regiesseur des Films. Allerdings sehe ich eine große Parallele zwischen modernen Unterhaltungsfilmen, v.a. solchen Action-Superhelden-Weltretter-Epen und biblischen Geschichten:
      Beide Arten von Geschichten entspringen der Sehnsucht, die Menschen haben (ich jedenfalls habe die), Antworten auf das Böse in der Welt zu finden. Jesus oder Superheld, beides sind Erlösergestalten, die auf je ihre Art und Weise Recht schaffen, die das Böse überwinden und den Guten Halt geben. Es geht also um eine zeitgemäße Form, Antworten zu formulieren auf die Fragen, die Menschen bewegen. Hollywood tut das und bedient sich dabei häufig (Superman Returns habe ich selbst nicht mehr so im Kopf, aber ich glaube gerne, dass es auch hier so ist) biblischen Motiven und Zitaten. Diese Anknüpfungspunkte wahrzunehmen kann uns Theologen sicher nicht schaden, wenn wir uns darüber Gedanken machen, wie wir die Botschaft Jesu Christi, die nicht die gleiche ist wie die Hollywoods, zeitgemäß vermitteln können.

      • Elisabeth Koppehl

        @ Tim: Ich hätte es nicht besser sagen können. Danke für den Kommentar. Du hast mich verstanden. :-)

    • Elisabeth Koppehl

      Hi. Sorry, dass es dir nicht gefallen hat. Natürlich braucht Superman seine Superkräfte, um Autos aufzuhalten. So ist die Figur aufgebaut. In der Analyse ging es eher darum, dass diese Figur eher ist, wie wir (oder meinetwegen auch ich) uns einen ordentlichen Retter vorstellen – eben das er tatkräftig etwas tut und die Welt auf sichtbare Art und Weise ändert. Dahinter steckt doch eine menschliche Sehnsucht, die eventuell religiös aufgeladen wird. Das greift aber im Sinne des Christentums zu kurz, dort geht es noch um etwas anderes.
      Ich weiß das Superman nicht gerade der tiefgründigste aller Filme ist, aber zum einem bin ich der Meinung, dass jede Geschichte, jeder Film, jedes Comic ein Teil der Wünsche, Träume, Probleme und religiösen Vorstellungen derjenigen wiederspiegelt, die sie hervorbringen (und man es auf dieser Ebene auch analysieren kann) und zum anderen macht es mir Spaß. Das ist es was diese Blogs für mich sind: Spaß, Zeitvertreib und eventuell lernt man etwas dabei (vielleicht sogar über den „wirklichen Menschen und seine Probleme“), aber es hat nicht den Anspruch die Welt zu verändern. ;-)

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.